Nach Griechen-Wahl : Europas Wirtschaft ist extrem nervös

Auch nach der Wahl in Griechenland befindet sich das globale Finanzsystem im Krisenmodus. Deutsche Wirtschaftsvertreter plädieren für eine Rettung der Hellenen.

M. Brackmann,J. Münchrath
An der Börse wird der Wahlsieg der pro-europäischen Nea Demokratia mit Erleichterung aufgenommen. Der Deutsche Leitindex (Dax) stieg zu Handelsbeginn um ein Prozent.
An der Börse wird der Wahlsieg der pro-europäischen Nea Demokratia mit Erleichterung aufgenommen. Der Deutsche Leitindex (Dax)...Foto: dpa

Der bange Blick der internationalen Finanzmärkte bleibt auch nach der Schicksalswahl in Athen auf Griechenland gerichtet. Die Folgen des Ausgangs der Wahl gelten als ungewiss. Dabei steht nicht weniger als die Zukunft des Euro auf dem Spiel. Die Euro-Retter streckten dem hoch verschuldeten Land kurz vor der Wahl die Hand entgegen: Über die Laufzeit der Athener Sparprogramme könne noch einmal diskutiert werden – über die Inhalte aber nicht, zitiert das Magazin „Focus“ aus der Umgebung des Euro-Gruppen-Chefs Jean-Claude Juncker. Juncker hatte sich bereits vor der griechischen Parlamentswahl im Mai dafür ausgesprochen, den Griechen gegebenenfalls ein Jahr mehr Zeit zu geben, den im Gegenzug für die Milliardenhilfen vereinbarten harten Sparkurs umzusetzen.

Auch der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger deutete in der „Welt am Sonntag“ ein Entgegenkommen an: „Die Griechen müssen ihre Zusagen einhalten. Was den Inhalt angeht, gibt es keine Flexibilität, in Hinsicht auf die Umsetzung aber schon“, meinte der frühere CDU-Ministerpräsident von  Baden- Württemberg. Entscheidend werde dabei sein, wie konstruktiv und stabil sich die neue Regierung in Athen erweise. Die Nervosität an den Finanzmärkten ist nicht nur wegen Griechenland, sondern auch angesichts der Probleme in Spanien und Italien extrem hoch.

Wie geht es weiter in Griechenland?

Reaktionen auf den Wahlausgang in Griechenland
Er ist der heimliche Sieger nach der Neuwahl in Griechenland: Alexis Tspiras, Anführer der Linksradikalen. Seine Partei konnte bei den Neuwahlen noch einmal kräftig zulegen. Mit 26 Prozent der Stimmen sind sie jetzt zweitstärkste Kraft im Parlament - noch vor der früheren Regierungspartei Pasok. Die Wähler kommen vermutlich vor allem aus dem Lager der sozialistischen Pasok. Die möchte die Abtrünnigen gerne wieder auf ihre Seite ziehen und plädiert für ein Bündnis. Auch Wahlsieger Nea Demokratia ruft zu einer Einheits-Regierung auf. Doch Syriza erteilt dem Werben eine Absage. Die Linksradikalen bleiben lieber in der Opposition - und versetzt die künftige Regierung in Angst und Schrecken.Weitere Bilder anzeigen
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18.06.2012 12:14Er ist der heimliche Sieger nach der Neuwahl in Griechenland: Alexis Tspiras, Anführer der Linksradikalen. Seine Partei konnte bei...

Trotz der Kampfansagen von den linken Parteien aus Athen hoffen weite Teile der deutschen Wirtschaft, dass Griechenland in der Währungsunion bleibt und nicht vom Euro zur Drachme zurückkehrt. „Wir alle in Europa sollten uns wünschen, dass es gelingt, Griechenland an Bord zu halten“, sagte der Chef der DZ-Bank, Wolfgang Kirsch, dem „Handelsblatt“. Auch Reinhold Würth, Aufsichtsratschef der Würth-Gruppe, warnt davor, ein Scheitern der Währungsunion mit einem Austritt Griechenlands überhaupt in Betracht zu ziehen. „Wenn man in 50 Jahren zurückblickt, wird man sagen, das nichts Besseres passieren konnte als die Krise, weil sie zu den Vereinigten Staaten von Europa geführt hat.“ Und Jörg Woltmann, Alleingesellschafter der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, erklärte: „Es sollte alles getan werden, damit Griechenland gerettet wird.“ Er warnte vor einem „Dominoeffekt mit unvorhersehbaren Konsequenzen“.

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