Nach Händler-Skandal : Société Générale wechselt Chef aus

Knapp drei Monate nach Bekanntwerden des Milliarden-Spekulationsskandals bei der Société Générale muss Daniel Bouton seinen Posten als Konzernchef aufgeben. Auch der Investmentchef soll angeblich entlassen werden.

ParisDrei Monate nach dem Skandal um Milliardenverluste bei unerlaubten Indexspekulationen entmachtet die Société Générale ihren Konzernchef Daniel Bouton. Der Verwaltungsrat beschloss, die Konzernleitung neu zu organisieren. Bouton rückt am 12. Mai als Präsident auf den Aufsichtsposten. Neuer Konzernlenker mit dem Titel Generaldirektor wird der bisherige Finanzchef Frédéric Oudéa. Die Börse reagierte auf die Mitteilung der Pariser Großbank am Freitag mit einem Anstieg der SocGen-Aktie um 2,4 Prozent auf 72,71 Euro.

Bouton stand unter Rücktrittsdruck, seit im Januar die Verluste von 4,9 Milliarden Euro durch unerlaubte Spekulationen des Aktienhändlers Jérôme Kerviel bekannt wurden. Er weist aber alle Schuld dem "Einzeltäter" Kerviel zu und ignorierte sogar Aufrufe von
Präsident Nicolas Sarkozy zum Rücktritt. In der Branche genießt Bouton einen guten Ruf, weil er die Société Générale beim Investmentbanking in die Weltspitze geführt habe. Die nach der Milliardenpleite nötige Kapitalerhöhung um 5,5 Milliarden Euro verlief problemlos. Dem mittlerweile entlassenen Händler Kerviel drohen bis zu sieben Jahre Haft und 750.000 Euro Geldstrafe.

Investementchef soll entlassen werden

Der 44-jährige Oudéa war im März zu Boutons Stellvertreter ernannt worden und dürfte dessen Politik wenig verändern. Nach Informationen der Finanzzeitung "La Tribune" standen sich bei der Personalentscheidung zwei Lager gegenüber. Eine Fraktion habe Bouton halten wollen, die andere habe ihn aus dem Konzern drängen wollen. Die Trennung der Management- von der Aufsichtsfunktion sei ein Gesicht wahrender Kompromiss. Der Verwaltungsrat soll am 12. Mai zudem durch ein externes Mitglied erweitert werden und die Geschäftszahlen für das erste Quartal billigen.

Doch Bouton ist nicht der einzige, der seinen Posten räumen muss. Der Investmentchef der Bank, Jean-Pierre Mustier, werde das Unternehmen "in den kommenden Wochen" verlassen, berichtete der Online-Nachrichtendienst Mediapart. Der 47-jährige Mustier ist ein Vertrauter von Bankchef Daniel Bouton. Er hatte nach Bekanntwerden der Affäre im Januar seinen Rücktritt angeboten, was Bouton ablehnte. Eine Sprecherin der Bank sagte, der Bericht sei ein "Phantasiegerücht". Sie verwies darauf, dass die Société Générale in Folge des Skandals sechs Mitarbeiter entlassen habe.

Der Händler Jérôme Kerviel soll der Bank durch ungenehmigte Spekulationen einen Schaden von 4,91 Milliarden Euro zugefügt haben. Er gab mehrfach an, allein gehandelt zu haben. Seine Vorgesetzten bei der Société Générale hätten allerdings von seinen Geschäften gewusst - sie seien aber nicht eingeschritten, solange er Gewinn gemacht habe. (tbe/AFP)

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