Nach Obernitz-Rücktritt : Suche nach Messechef beginnt von vorn

Der Aufsichtsrat der Messe Berlin sollte einen neuen Messechef bestellen, doch jetzt kommt alles anders: Die Suche beginnt erneut.

von
Foto: dapd

Berlin - Eigentlich sah sich Hans-Joachim Kamp auf gutem Wege. Nachdem Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz blockiert hatte und dabei aber aus der Spur geraten war, wollte Kamp seinen Favoriten für den Spitzenjob bei der Messe Berlin flott durchsetzen. Die alte Senatorin weg und die neue noch nicht da – ein optimaler Zeitpunkt. Dachte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Messe Berlin GmbH und lud das Gremium für den 20. September zur Sitzung. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Bestellung von Christian Göke zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Messe. Das war Ende der vergangenen Woche, das war der Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden Kamp. Dann kam das Wochenende und am Montag gab es schon wieder Post für die Aufsichtsratsmitglieder, diesmal mit einer neuen Tagesordnung. Plötzlich gab es keine Eilbedürftigkeit mehr für die Bestellung des neuen Messechefs, die wichtige Personalie wurde in den Spätherbst geschoben. CDU-Chef Frank Henkel hatte Kamp darum gebeten, damit die nächste Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer, die für das Land in den Aufsichtsrat geht, einbezogen werden kann. Womöglich gibt es sogar eine neue Ausschreibung. Das ist nicht gut für Göke.

Kamp, der als langjähriger Philips-Manager enge Verbindung zur Messe Berlin hat (Funkausstellung) und seit ein paar Jahren den Aufsichtsrat leitet, hatte im Frühsommer einen Personaldienstleiter mit einer Ausschreibung beauftragt. Das Ergebnis missfiel Obernitz. Im August setzte sie ein zweites Verfahren in Gang, ohne sich dafür einen Beschluss des Aufsichtsrats zu holen. Die Messe-Herren tobten und schoben eine Empörungswelle bis zu CDU-Henkel: Das Maß war voll und Obernitz musste weg. Und Kamp konnte dann das Ergebnis der ersten Ausschreibung aus der Schublade holen – und für Göke plädieren.

Der Jurist ist seit April 2000 als zweiter Geschäftsführer für die Messe tätig. Sein Vertrag läuft im kommenden März aus, auch deshalb hatte Göke vom Aufsichtsrat bis Ende September Klarheit darüber verlangt, ob er die Nummer eins wird. Messechef Raimund Hosch geht Mitte 2013 in Ruhestand.

Aufsichtsratschef Kamp hat mit rund zehn Bewerbern gesprochen und dann eine Empfehlungsliste vorgelegt, auf der auch Göke war. Allerdings erst auf Platz drei. Da die Nummer eins jedoch zu teuer war – angeblich verlangte dieser Kandidat ein paar hunderttausend Euro mehr als der jetzige Messechef, dessen Jahresgehalt bei knapp 500 000 Euro liegt, und die Nummer zwei seine Bewerbung zurückzog – angeblich wegen Indiskretionen im Bewerbungsverfahren, rutschte Göke nach vorn. Kamp war immer für Göke. Doch in Politik und Belegschaft gab und gibt es Widerstände.

Der frühere Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) traute dem forschen Göke (Jahrgang 1965) die Leitung der 700 Mitarbeiter zählenden Messegesellschaft nicht zu. Göke bekam deshalb zuletzt nur noch einen kurzen Vertrag – damit der Hosch-Nachfolger, so die Überlegung von Wolf, sich im Jahr 2013 eine zweite Person seiner Wahl mitbringen könnte, gewissermaßen den Göke-Nachfolger.

Doch Göke will Chef werden und der Aufsichtsratsvorsitzende Kamp will das auch und begründet das mit dessen Arbeit. „Die Messe Berlin hat sich in den vergangenen zehn Jahren hervorragend entwickelt, auch im Vergleich zu anderen Messegesellschaften.“ Und das ist auch ein Verdienst des Geschäftsführers Göke.

Im vergangenen Jahr setzte die Messe 182 Millionen um, so viel wie noch nie in einem ungeraden Jahr. Das liegt an einem Ausbau der Flaggschiffe (Grüne Woche, ITB, Funkausstellung, Fruit Logistica) und weniger an neuen Veranstaltungen, die es in der Ära Hosch, der seit Mitte 1999 die Messe führt, kaum gab. Hosch hat sich um die Finanzen gekümmert und um die Politik – kein leichter Job, wenn zum Beispiel jahrelang im Abgeordnetenhaus über Deutschlandhalle und ICC diskutiert wird. 2014 beginnt die Sanierung des ICC, dann soll das „City Cube Berlin“ neben dem Haupteingang Süd betriebsbereit sein – eine Kongresshalle für 76 Millionen Euro. Die Eröffnung Ende 2013 ist dann dem neuen Chef der Messe vorbehalten. Womöglich Christian Göke. Sein Ultimatum – bis Ende September steht er als Messechef fest oder er geht, hat er jedenfalls inzwischen zurückgenommen. Er hofft nun auf Cornelia Yzer.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben