Nach Praktiker-Pleite : Die Baumarkt-Konkurrenz schielt auf freie Filialen

Nach der Praktiker-Pleite prüft der Insolvenzverwalter ein Sanierungskonzept. Die Konkurrenten Obi und Hagebau schauen derweil auf die mögliche Filial-Übernahmen. Und einer witzelt gar über Praktiker als gestorbenen „Drogenabhängigen“.

Marc Röhlig
Begehrte Baumärkte: Die Konkurrenz schielt auf die Filialen von Praktiker
Begehrte Baumärkte: Die Konkurrenz schielt auf die Filialen von PraktikerFoto: dpa

Hamburg - Der Kampf ums Überleben bei Praktiker hat begonnen: Am Freitag teilte der vorläufige Insolvenzverwalter der Baumarktkette, Christopher Seagon, mit, ein Sanierungskonzept zu prüfen. Zunächst müsse der Geschäftsbetrieb stabilisiert werden, um so die Voraussetzung zu schaffen, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern, sagte der Rechtsanwalt, der bei der Heidelberger Kanzlei Wellensiek tätig ist. „Die Filialen bleiben geöffnet, der Verkauf geht mit allen Beschäftigten unverändert weiter.“

Am Donnerstag hatten acht Tochterfirmen der Praktiker AG beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz beantragt. Für sie ist Seagon zuständig. Um die Löhne und Gehälter der rund 8600 Mitarbeiter sicherzustellen, will der Anwalt kurzfristig die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes beantragen. Der Insolvenzantrag der Dachgesellschaft Praktiker AG soll nach Angaben des Unternehmens in Kürze erfolgen. Die Auslandsgesellschaften und die Tochter Max Bahr sind derzeit nicht von der Insolvenz betroffen.

Die Kritik am Management der Baumarktkette nimmt unterdessen zu: Die Gewerkschaft Verdi gab dem Vorstand die Schuld an der Insolvenz. „20 Prozent auf alles war die falsche Strategie“, sagte Christiane Scheller, Sprecherin des Verdi-Bundesvorstandes, am Freitag. „Die Leute kommen dann nur noch in die Filiale, wenn sie wissen, dass sie ein Schnäppchen machen können.“ Immer wieder hätten Betriebsräte bei Geschäftsführungen und Vorständen auf die Probleme aufmerksam gemacht. Geändert habe sich aber wenig. Auch Karl-Erivan Haub, Chef der Obi-Mutter Tengelmann, äußerte sich kritisch: „Der Drogenabhängige ist gestorben“, sagte er mit Blick auf die Rabattstrategie von Praktiker. „Man muss immer mehr geben, damit man einen Kick hat.“

Obwohl die Sanierung gerade erst anläuft, schielt die Konkurrenz bereits auf Teile von Praktiker. So hatten Obi und Hagebau am Donnerstag Interesse an einzelnen Filialen bekundet. „Wir haben 358 Gesellschafter, einige davon haben Interesse an einer möglichen Übernahme bekundet“, sagte eine Hagebau-Sprecherin am Freitag . Die Zentrale werde die Anfragen gebündelt an den Insolvenzverwalter weiterleiten, es handele sich um einen laufenden Prozess. Die Hagebau-Gruppe betreibt in Deutschland mehr als 300 Baumärkte in einem Franchisemodell. Auch Konkurrent Obi schaut auf die Filialen: „Wenn etwas in unser Netzwerk passt, werden wir es machen“, sagte Tengelmann-Chef Haub. mrc (mit dpa)

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