Wirtschaft : Nach Rückgängen werden neun Prozent Gewinnsteigerung für das laufende Jahr erwartet

dbu/rl/ws

Die Münchener Rück plant nach dem jüngsten Rückgang für 2000 wieder ein deutliches Gewinnplus. Gleichzeitig stehen Akquisitionen auf dem Plan. Sowohl das Rückgeschäft im Bereich Leben als auch das Asset-Management sollen gestärkt werden. Dies sagte der Vorstandvorsitzende der Münchener-Rück-Gruppe, Hans-Jürgen Schinzler, im Gespräch mit dem Handelsblatt und dem Wall Street Journal Europe. Zukäufe seien für alle drei Unternehmensbereiche, also im Rückversicherungsgeschäft, bei der Erstversicherungstochter Ergo und in der Vermögensverwaltung vorgesehen.

Im Rückversicherungs-Geschäft liege der Fokus bei Zukäufen in den USA. Sinnvoll sei vor allem die Akquisition eines Rückversicherers, der auf den Bereich Lebensversicherung spezialisiert ist, sagte Schinzler. Hier verfügt der Konzern in den USA über eine schwache Marktposition. Im Bereich Schaden- und Unfallgeschäft sei der Konzern mit der Mitte der neunziger Jahre akquirierten American Re bereits unter den drei Größten. Ziel sei aber, auch dort die Nummer eins zu werden. Derzeit laufe das amerikanische Geschäft zwar "ziemlich miserabel", aber Schinzler ist überzeugt davon, dass es bald wieder aufwärts gehe.

Im Erstversicherungsgeschäft will Schinzler die europäische Position der Ergo stärken. So sei der Erstversicherer, an dem die Münchener Rück rund 65 Prozent hält, außerhalb Deutschlands erst schwach vertreten. "Wir würden es gerne sehen, wenn sich auch Ergo in anderen Ländern Europas stärker etablieren würde", sagte Schinzler. Wenn sich Chancen "zu vernünftigen Preisen" ergeben, werde der Konzern zugreifen. Auch in der Vermögensverwaltung - der Bereich wird gerade als drittes Standbein ausgebaut - plant Schinzler Akquisitionen, in erster Linie im Ausland. Die Preise für Asset-Manager seien derzeit aber sehr hoch. Die Expansion werde in Abstimmung mit der Entwicklung bei Ergo erfolgen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2000 gab sich Schinzler betont optimistisch. So werde nach dem Einbruch im vergangenen Jahr mit einer deutlichen Erholung des Gewinns gerechnet. Schinzler erwartet, dass in 2000 das "sehr gute Ergebnis" von 1998 mindestens erreicht, wenn möglich, aber übertroffen werden soll. 1998 betrug der KonzernJahresüberschuss rund 1,2 Milliarden Euro. 1999 musste die Münchener Rück einen Rückgang auf 1,1 Milliarden Euro hinnehmen. Damit würde sich für das Jahr 2000 ein Gewinnplus von mindestens neun Prozent ergeben.

Im vergangenen Jahr war der Gewinn insbesondere durch eine außerordentliche Schadenbelastung in der Rückversicherung belastet, vor allem durch eine enorme Häufung von Naturkatastrophen. Unzufrieden zeigte sich Schinzler mit dem Aktienkurs der Münchener Rück. Im Vergleich zu den großen Assekuranz-Konzernen der Welt sieht sich Schinzler derzeit als durchaus unterbewertet. "Da ist noch Musik drin", meinte der Konzern-Chef und bestätigte, dass die aktuelle Börsenkapitalisierung von rund 60 Milliarden Euro schon überwiegend durch Bewertungsreserven gedeckt sei.

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