Wirtschaft : Nach schlechtem Start gibt Budget in Deutschland Vollgas

BIJAN PEYMANI (HB)

HAMBURG . Schon fast gebetsmühlenartig hatten Sandy Miller, Vorstandsvorsitzender der Budget Group, und seine Getreuen in den vergangenen zwölf Monaten ihren Schlachtruf in alle Teile der Republik geschmettert: "Budget ante portas - wir kommen nach Deutschland." Geglaubt hat es ihnen am Ende kaum noch jemand. Zu wenige Taten waren den markigen Worten gefolgt, zu offenbar die Startschwierigkeiten. Statt die Konkurrenz mit eigenen Stationen an deutschen Flughäfen und in Großstädten zu beeindrucken war Budget bis dato zu sehr auf vermeintlichen Nebenkriegsschauplätzen gebunden.

Da war zum einen der Lizenzstreit mit dem Sixt-Konzern, bei dem erst die zweitinstanzliche Entscheidung zugunsten der Amerikaner den Weg für ein eigenes Engagement in Deutschland frei machte. Doch vor allem seit dem Antritt des ehemaligen Hertz-Deutschland-Chefs Joachim Walther am 1. Juni als neuer Budget-Statthalter im Frankfurter Büro scheint ein Ruck durch das Unternehmen zu gehen. "Spätestens ab September, vielleicht auch schon früher, werden wir mit den ersten Stationen an deutschen Flughäfen präsent sein", gibt Walther das neue Tempo vor. Das Vorhaben werde trotz der Störmanöver von Mitbewerbern gelingen, die verschiedene Flughafenbehörden aufgefordert haben sollen, Budget den Zugang zum Airport zu verwehren.

Die Flughafen-Counter bilden zugleich die Basis für den Aufbau eines leistungsfähigen Franchisenetzes, erhoffen sich lokale Autovermieter bei einem Anschluß an einen Big Player doch den größten Vorteil aus der Airport-Anbindung. Bis zum Jahr 2004 will Budget ein bundesweites Netz von etwa 100 eigenen sowie weiteren rund 150 bis 180 Lizenzstationen in Deutschland errichtet haben. Bereits jetzt ist Budget am Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen vertreten.

Bei der Suche nach Franchisepartnern könnten insbesondere Akquisitionen schnell zum Ziel führen. So soll sich Budget um eine Übernahme der Rhein-Ruhr- und Bismarck-Autovermietung bemühen. Die Rhein-Ruhr Autovermietung ist mit zwölf Stationen im Ruhrgebiet größter Lizenznehmer von Hertz. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter hat Rhein-Ruhr den Verkauf der Autovermietung zum 1. August 1999 und die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Abfallentsorgung angekündigt.

Offen sind auch noch die Verhandlungen mit Europcar International über eine weitreichende Marketing-Allianz. Von Europcar ist zu hören, es werde intensiv an einer Lösung für die Marktüberschneidung beider Partner in Europa, vor allem in Großbritannien und rund um das Mittelmeer, gearbeitet. Budget läßt durchblicken, daß allenfalls eine Allianz für den nordamerikanischen Markt diskutabel sei. Hiervon würde freilich gerade Europcar profitieren, nachdem das Unternehmen seinen langjährigen US-Partner Dollar im kommenden Frühjahr an Mitbewerber Sixt verlieren wird.

Auf der anderen Seite müßte Budget an einer engeren Bindung gelegen sein. Die beiden Partner würden mit einem Schlag zum weltweiten zweitgrößten Mietwagenkonzern nach Hertz aufsteigen. Europcar verfügt derzeit über eine Flotte von weltweit 191 000 Fahrzeugen in 96 Ländern, der Vermietumsatz lag 1998 bei rund 2,4 Mrd. DM. Budget kommt auf gut 230 000 Fahrzeuge in 120 Ländern und setzte zuletzt im Konzern umgerechnet 4,7 Mrd. DM um.

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