Nach Schlecker-Aus : Wer ist die neue Nummer drei?

Seit Freitag steht fest: Schlecker hat keine Zukunft mehr. Die Tochter Ihr Platz aber schon. Der neue Besitzer, Dubag-Chef Schumann, wird dank hunderter Filialen zur Macht am Markt.

Kirsten Ludowig
Im Gegensatz zu tausenden Schlecker-Filialen hat Ihr Platz einen Käufer gefunden.
Im Gegensatz zu tausenden Schlecker-Filialen hat Ihr Platz einen Käufer gefunden.Foto: dpa

Er wird – gemessen an der Zahl der Filialen – mit einem Schlag Besitzer von Deutschlands drittgrößter Drogeriemarktkette hinter dm und Rossmann: Michael Schumann. Doch kaum einer kennt den Vorstand der Deutschen Unternehmensbeteiligungen AG, Dubag, in München, die 490 Läden von „Ihr Platz“ und 342 Schlecker-XL-Standorte der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker übernimmt. Dabei ist der 50-Jährige kein Newcomer. Er arbeitet schon seit 1999 in der Beteiligungsbranche und war bislang bei mehr als 70 Unternehmenstransaktionen dabei. In frühen Jahren war er sogar persönlicher Referent von Berthold Beitz, dem mächtigen Verwalter des Krupp-Erbes.

Die Beteiligungsgesellschaft Dubag gründete Schumann im Sommer 2009 gemeinsam mit Partnern. Zu den Kapitalgebern, die hinter der nicht-gelisteten Aktiengesellschaft stehen, schweigt er. Das Ziel ist, so Schumann, sanierungsbedürftige mittelständische Firmen zu übernehmen und neu zu positionieren – egal aus welcher Branche. Was zählt, sind ein Umsatz von 15 bis 500 Millionen Euro, ein Hauptsitz in Westeuropa und ein etabliertes Geschäftsmodell mit eingeführten Produkten.

Die Filialen von Schlecker, die er jetzt übernimmt, sind sein erstes Engagement im Drogeriemarkt. Bisher ist Schumann, der als ruhiger, wenig emotionaler Manager gilt, mit der Branche noch nicht in Berührung gekommen. Um das operative Management der zukünftig 832 „Ihr-Platz“-Filialen – die Schlecker-XL- Läden sollen in den nächsten zwei bis drei Monaten umgeflaggt werden – wird sich eine Task-Force um den Sanierer Gunter Schmidt und das „Ihr-Platz“-Management kümmern.

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Bislang hat Dubag drei Unternehmen im Portfolio: den Generikahersteller Sigam aus Wiesbaden, den Speichermedienhersteller Berlin Optical Disc, den Dubag Mitte 2010 übernahm und nun wieder verkauft, und den irischen Henkel-Zulieferer International Detergent Chemicals (IDC). Bei IDC, erklärt Schumann, sei es ähnlich gewesen wie jetzt bei „Ihr Platz“. Nach 30 Jahren als Produktionseinheit von Henkel musste Dubag erst mal einen eigenen Vertrieb aufbauen und das Unternehmen für den Markt öffnen. Auch bei „Ihr Platz“ ist es an Dubag, Einkauf und Logistik, die vorher über Schlecker liefen, neu zu organisieren.

Neue Öffentlichkeit. Bisher ist Dubag-Chef Michael Schumann kaum bekannt.
Neue Öffentlichkeit. Bisher ist Dubag-Chef Michael Schumann kaum bekannt.Foto: dapd

So vielfältig wie sein Portfolio ist auch Schumanns Karriere. Geboren in Tutzing am Starnberger See, studierte er nach dem Abitur Betriebswirtschaftslehre und Politische Wissenschaften in München, wo er auch promovierte. Anfang der 90er-Jahre arbeitete Schumann für Berthold Beitz und begleitete ihn bei der Fusion zwischen den beiden Stahlunternehmen Krupp und Hoesch. Im Anschluss wechselte er als Referatsleiter zur Treuhandanstalt in Berlin, deren Aufgabe es war, die staatlichen Betriebe der DDR zu privatisieren oder abzuwickeln.

Ab 1994 baute Schumann in München den Branchen-Medien Verlag auf, der Ende 1998, als Schumann ihn an einen strategischen Investor verkaufte, zehn Mitarbeiter beschäftigte und einen Jahresumsatz von 4,5 Millionen Mark erzielte. Schließlich gründete der Vater von zwei Kindern eine Venture-Capital-Firma für junge Internetunternehmen, deren Anteile er aber nach dem Platzen der Dotcom-Blase wieder verkaufte. Gut ein Jahr arbeitet er als selbstständiger Berater, bevor er im April 2003 bei Arques Industries einstieg.

Die Beteiligungsgesellschaft geriet in die Schlagzeilen, als sie Ende 2008 mit Schumann als Vorstandschef für rund 45 Millionen Euro gut 80 Prozent der Siemens-Telefonsparte Gigaset kaufte. Es folgte ein jahrelanger Streit mit dem Dax-Konzern, in dem es um millionenschwere Geldforderungen ging. Nur wenige Monate nach der Übernahme trennten sich Arques und Schumann – wegen „unterschiedlicher Auffassungen“.

Für Schumann war das die Chance, sich erneut selbstständig zu machen. Mit Schlecker stellt er sich nun auch der Öffentlichkeit. (HB)

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