Nach Spitzelaffären : Neuer Chef für HSH-Nordbank

Das skandalträchtige Geldinstitut bekommt einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Sein in Ungnade gefallener Vorgänger Dirk Jens Nonnenmacher streicht trotz aller Bespitzelungsvorwürfe eine Millionenabfindung ein.

Robert Landgraf
Der Neue: Paul Lerbinger übernimmt die Führung der HSH-Nordbank.
Der Neue: Paul Lerbinger übernimmt die Führung der HSH-Nordbank.Foto: dapd

„Es wird immer ein paar Verrückte geben, die diese Aufgabe reizt“, hat Hilmar Kopper, der Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, einmal gesagt. Er meinte die anstehenden Neubesetzungen im Vorstand der Landesbank – und hat recht behalten. Trotz vergleichsweise geringer Bezahlung von maximal 500 000 Euro hat Kopper jetzt einen „Verrückten“ für den Chefsessel gefunden: Paul Lerbinger (54) wird Nachfolger des wegen Spitzelaffären in Ungnade gefallenen Vorstandschefs Dirk Jens Nonnenmacher. Der Aufsichtsrat beschloss seine Berufung am Mittwoch.

Damit ist es vorbei mit der Ruhe, auf die sich Lerbinger nach seinem Ausscheiden als stellvertretender Vorstandschef und oberster Investmentbanker der Citigroup in Deutschland gefreut hatte. Eigentlich wollte der im Allgäu aufgewachsene Manager nur noch einen Professorenjob und in ein paar Aufsichtsräten sitzen. Jetzt ist es anders gekommen für den bayerischen Schwaben mit der kleinen Gestalt und dem großen Intellekt. In seinem neuen Job darf er angesichts des schlechten Rufs und der schwierigen Lage der HSH Probleme in rauen Mengen bewältigen.

Doch Feuerwehr spielen ist nichts Neues für den geradlinigen Finanzmenschen. Sein schwerster Fall stammt aus dem Jahr 2004. Lerbinger musste bei der Citigroup retten, was zu retten war, als fünf Londoner Händler der damals weltgrößten Bank Konkurrenten mit umstrittenen Geschäften bei Bundesanleihen über den Tisch ziehen wollten. Unter dem Codenamen „Dr. Evil“ hatten die Briten ein Computerprogramm geschrieben und versuchten, den Markt zu manipulieren. Es misslang. Während in Großbritannien die Aufsicht FSA die Citigroup wegen mangelnder Risikokontrolle mit einer Millionenstrafe bedachte, lief es in Deutschland anders: Hier ermittelte zwar die Staatsanwaltschaft. Am Ende wurde die Untersuchung jedoch eingestellt. Zu verdanken war das auch dem Feuerwehrmann Lerbinger, dem es gelang, mit Gesprächen in Berlin, der deutschen Aufsicht Bafin und der Staatsanwaltschaft die Wogen zu glätten.

Doch nicht nur Erfolge zieren die Karriere Lerbingers. Die wohl größte Niederlage war die Platzierung von Infineon-Aktien an der Börse, die das Institut von Siemens übernommen hatte – zum Garantiepreis. Der war jedoch zu hoch. Das Ergebnis: Die Citigroup hatte an einem dreistelligen Millionenverlust schwer zu tragen.

Nun muss er die HSH nicht nur in die schwarzen Zahlen führen. Zusätzlich ist Lerbingers ausgleichende Art gefragt, um das Klima des Misstrauens in der Bank zu beseitigen, das sie in Folge der unappetitlichen Spitzelaffären prägt. Nach zahllosen Berichten über Ausspähungen, die immer noch die Gerichte beschäftigen, und zudem riskanten Finanzgeschäften hatten die beiden HSH-Haupteigner Hamburg und Schleswig-Holstein Nonnenmacher das Vertrauen entzogen.

Kopper hatte den Auftrag bekommen, Nonnenmacher möglichst elegant loszuwerden. Ex-Deutsche-Bank-Chef Kopper hatte dem Mathematikprofessor bis zuletzt die Stange gehalten. Dem intern „Dr. No“ genannten Manager stehen aus seinem bis Oktober 2012 laufenden Vertrag mehrere Millionen Euro einschließlich Ansprüchen auf eine Altersversorgung zu. Gleichwohl wollten ihm die Aufsichtsräte zum Abschied nichts Böses mehr hinterher rufen. Das Gremium dankte Nonnenmacher „für seinen großen und erfolgreichen Einsatz bei der Neuausrichtung der Bank“.

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