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Nach Verlust von sechs Milliarden Euro : Deutsche Bank streicht 15.000 Stellen

Die Deutsche Bank verbucht ein Minus von sechs Milliarden Euro im dritten Quartal und streicht 9000 Stellen im Konzern und 6000 Stellen bei externen Dienstleistern.

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Die Deutsche Bank muss einen Milliardenverlust verbuchen: Im dritten Quartal summierte sich das Minus auf 6,013 Milliarden Euro.
Die Deutsche Bank muss einen Milliardenverlust verbuchen: Im dritten Quartal summierte sich das Minus auf 6,013 Milliarden Euro.Foto: dpa

Die Deutsche Bank muss einen Milliardenverlust verbuchen: Im dritten Quartal summierte sich das Minus auf sechs Milliarden Euro, wie das größte deutsche Kreditinstitut am Donnerstag in Frankfurt am Main bekanntgab. Die Deutsche Bank hatte mit einem Verlust nach Steuern von bis zu 6,2 Milliarden Euro gerechnet.

Im Vorjahresquartal hatte die Bank ein Minus von 94 Millionen Euro verbucht. Außerdem streicht die Deutsche Bank unter ihrem neuen Chef John Cryan 9000 Stellen im Konzern und 6000 Stellen bei externen Dienstleistern und will in Deutschland mehr als 200 Filialen schließen. Ein Großteil der Stellenstreichungen im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank trifft den Heimatmarkt Deutschland. Hier will das Institut etwa 4000 Stellen abbauen, wie Privatkundenchef Christian Sewing am Donnerstag in Frankfurt ausführte. Dies Schließung der 200 Filialen wird vor allem Ballungsräume treffen, aus der Fläche wolle sich die Bank nicht zurückziehen, betonte Sewing: "Wir werden weiterhin mit über 500 Filialen in Deutschland präsent sein und damit die Fläche sehr gut abdecken."

Zudem will sich das Unternehmen aus zehn Ländern zurückziehen. Bis 2018 sollen demnach 3,8 Milliarden Euro eingespart werden. Konzernchef John Cryan erklärte bei der Pressekonferenz am Donnerstag, man werde diesen Schritt in Rücksprache mit dem Betriebsrat durchführen. Diese Umstrukturierung sei auch der Grund, warum er sich selten in der Öffentlichkeit zeige, so Cryan. "Diese Arbeit hat für uns hohe Priorität, sie ist meines Erachtens Chefsache", sagte der Konzernchef und weiter "mir ist bewusst, dass das 9000 Schicksale sind, hinter denen Menschen und Familien stehen".

Betriebsrat kritisiert Entscheidungen als falsch

Der Stellenabbau ruft den Betriebsrat auf den Plan. „Die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Bank ist auch für uns Arbeitnehmervertreter von zentraler Bedeutung“, erklärte Konzernbetriebsratschef Alfred Herling am Donnerstag in einer Mitteilung. „Die Fokussierung auf Personalabbau und Filialschließungen ist allerdings das falsche Signal. Denn damit drängt sich der Eindruck auf, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun die Suppe auslöffeln müssen, die ihnen das Top-Management früherer Jahre mit Schadensersatzzahlungen und Abschreibungen in schwindelerregender Höhe eingebrockt hat.“ Herling, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Dax-Konzerns ist, betonte: „Für die Arbeitnehmervertreter im Deutsche-Bank-Konzern wird bei den anstehenden Verhandlungen die Beschäftigungssicherung von zentraler Bedeutung sein.“ Unumgängliche Personalanpassungen müssten „mit einem Höchstmaß von sozialer Verträglichkeit auf freiwilliger Basis umgesetzt werden“.

Keine Toleranz für Fehlverhalten

"Die Deutsche Bank hat kein Strategieproblem, wir wissen genau wo wir hinwollen. Jedoch hat die Deutsche Bank seit vielen Jahren ein gravierendes Problem diese Strategie umzusetzen", so Cryan. Zudem betonte er, dass Deutschland immer noch der Kernmarkt der Bank sei und das man diese "Wurzel" pflegen und stärken wolle. Er gestand ein, dass die Kosten für Fehlverhalten der Bank in den letzten Jahren das Unternehmen stark belastet haben. Das wolle man so schnell wie möglich ändern und in allen Hierarchieebenen Konsequenzen für ein solches Verhalten ziehen. Allein im dritten Quartal musste die Bank 4,8 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten ausgeben.

Jürgen Fitschen sprach indes davon, dass man Verantwortungen für Regional- und Geschäftsbereiche kombinieren wolle. Der jeweilige Landes- oder Regionsverantwortliche soll gleichzeitig der Ansprechpartner für den führenden Geschäftsbereich in der Region sein.

Nach dem großen Aufräumen will die Deutsche Bank den Blick wieder nach vorne richten. Vier Monate nach seinem Amtsantritt legt der neue Konzernchef John Cryan die Details seiner künftigen Strategie vor. Dabei wird es weitere Einschnitte geben: Zuletzt hatte es in Finanzkreisen geheißen, dass über die bereits im April beschlossene Trennung von der Postbank hinaus bis zu 10.000 Stellen auf der Kippe stünden, tatsächlich sind es zusammen mit den Stellen bei externen Dienstleistern 15.000 Stellen.

Am Mittwochabend wurde in einer ersten Mitteilung zur "Strategie 2020" neben angepeilten Finanzkennziffern nur bekannt, dass erstmals seit Jahrzehnten die Dividende ausfallen soll, und zwar für 2015 und 2016. "Der Vorstand erwartet, ab dem Geschäftsjahr 2017 eine Dividende in Höhe einer wettbewerbsfähigen Ausschüttungsquote vorzuschlagen."

Höchster Verlust der Firmengeschichte

Die Deutsche Bank hatte vor knapp drei Wochen den höchsten Milliardenverlust der Firmengeschichte bekanntgegeben: Das Geldhaus erwartete für das dritte Quartal unter dem Strich 6,2 Milliarden Euro Verlust - das ist noch mehr als zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 als die Lehman-Pleite die Finanzwelt schockte. Diese Zahlen wurden Donnerstagfrüh offiziell bestätigt - die Bank schreibt ein Minus von sechs Milliarden Euro und liegt damit nur knapp unter den Befürchtungen.

In der Bilanz wurde unter Cryan derart kräftig ausgemistet, dass Deutschlands größtes Geldhaus die Märkte vor drei Wochen bereits mit einem Rekordverlust schockierte: Nach damaligen Angaben erwartet der Dax-Konzern für das dritte Quartal unter dem Strich 6,2 Milliarden Euro Verlust.

Gründe für die schlechten Zahlen

Grund sind gigantische Abschreibungen vor allem auf den Wert der Tochter Postbank, von der die Deutsche Bank sich trennen will, und das nicht mehr so lukrative Investmentbanking. Für Rechtsrisiken legte die Bank weitere 1,2 Milliarden Euro zurück. Nach der Bilanz war wenig später das Top-Management an der Reihe. Sparten werden neu zugeschnitten, zahlreiche altgediente Führungskräfte gehen, das Investmentbanking wird aufgeteilt. Der ehemalige UBS-Finanzvorstand Cryan hatte zum 1. Juli Anshu Jain an der Führungsspitze der Bank abgelöst. Der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt, ehe der Brite alleine das Ruder übernimmt. Mit Spannung wird Cryans öffentlicher Auftritt bei der Pressekonferenz am Donnerstag erwartet - bisher hatte er sich in der Öffentlichkeit weitestgehend zurückgehalten.

Verdi: Deutsche Bank soll auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten


Die Deutsche Bank soll beim Abbau von 9000 Stellen nach den Vorstellungen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. "Wir erwarten, dass für die Dauer des Umbaus betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden", sagte Gewerkschaftschef Frank Bsirske am Donnerstag laut einer Mitteilung. Arbeitsplatz-Sicherheit sei eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Bank. Bsirske sitzt selbst im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Das Gremium hatte die neue Strategie am Mittwoch "zur Kenntnis genommen", wie die Bank mitteilte. Grundsätzlich seien eine Vereinfachung der Strukturen, Investitionen in die IT sowie der Rückzug aus Hochrisiko-Bereichen aber "notwendig und richtig", erklärte Bsirske. Dabei müssten ein überzogener Personalabbau und eine Überforderung der Mitarbeiter aber vermieden werden. (mit Reuters, AFP, dpa)

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