Nach Weihnachten : Was Kunden beim Umtausch beachten müssen

Die Tischdecke von Schwiegermutter, die Puppe, die zu wenig mit den Augen klimpert, die Krawatte, die eine Krawatte zu viel ist. Es gibt reichlich Gründe, Geschenke umzutauschen - und auch ein paar Regeln.

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Falsche Farbe. Nach Weihnachten bringen viele Menschen ihre Geschenke zurück. Allerdings werden es immer weniger. Foto: dpa
Falsche Farbe. Nach Weihnachten bringen viele Menschen ihre Geschenke zurück. Allerdings werden es immer weniger.Foto: dpa

Vielleicht hätten Maria und Josef Gold, Weihrauch und Myrrhe gern gegen einen soliden Strampler getauscht. Früher jedoch blieb den Menschen kaum etwas anderes übrig, als über unpassende Geschenke hinwegzulächeln.

Heute dagegen ist das Schenken und Beschenktwerden ohne Rückgabeoption kaum mehr vorstellbar. „Fast alle Händler bieten an, Ware zurückzunehmen“, sagt Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Viele Unternehmen werben sogar offensiv damit, unliebsame Geschenke nach Weihnachten problemlos auszuwechseln. „Die Kulanz ist groß, auch, was die Rückgabefristen angeht“, sagt der Handelssprecher.

Dabei ist die Umtauschquote in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gesunken. „Die zunehmende Beliebtheit von Gutscheinen und Geldgeschenken führt dazu, dass immer mehr Menschen sich ihre Geschenke selber aussuchen“, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB). Das verringert das Risiko von Fehlkäufen.

Plastikkarten bringen Kinderaugen nicht zum Leuchten

Über alle Branchen hinweg beträgt die Umtauschquote nur noch knapp fünf Prozent. Vergleichsweise hoch ist sie im Spielzeuggeschäft. Weil Plastikkärtchen Kinderaugen nur selten zum Leuchten bringen, wählen Erwachsene lieber Sachgeschenke für die Kleinen aus – da kann es schon mal passieren, dass Onkel und Tante danebenliegen, weil statt Duplo schon Lego angesagt ist oder die Puppe, die der Weihnachtsmann gebracht hat, einfach nicht so schön mit den Wimpern klimpern kann wie die der Freundin.

In der Spielzeugbranche kalkulieren viele Unternehmen Umtauschaktionen deshalb großzügig mit ein. Das Spielwarenportal Mytoys nimmt bis zum 31. Januar alle Artikel zurück, die seit Oktober bestellt worden sind. Die Firma BR-Spielwaren gestattet Retouren sogar bis zu 365 Tage nach dem Kauf.

Im Onlinehandel gibt's 14 Tage Widerrufsfrist

Verbraucher sollten dabei beachten: All diese Leistungen beruhen auf Freiwilligkeit. „Grundsätzlich gibt es kein Recht auf Umtausch, sofern Waren einwandfrei sind“, warnt Katja Müller von der Verbraucherzentrale Berlin. Bei mangelhafter Ware – der Mangel muss beim Kauf schon bestanden haben – gilt ein zweijähriges Gewährleistungsrecht.

Innerhalb der ersten sechs Monate gestalten sich Reklamationen meist einfach, danach muss der Kunde nachweisen, dass er den Mangel nicht selber verursacht hat. Im Online- und Versandhandel gilt das Fernabsatzrecht mit einer Widerrufsfrist von 14 Tagen, ausgenommen sind Spezialanfertigungen.

Wer mit Umtausch wirbt, muss sich daran halten

„Die Händler sind aber viel entgegenkommender, als sie sein müssen“, weiß Busch-Petersen vom HBB. „Wirbt ein Händler damit, Ware umzutauschen, kann der Käufer das auch einfordern“, sagt Verbraucherschützerin Müller.

Der Online-Versandhändler Amazon erklärt auf seiner Internetseite, dass sämtliche Artikel, die nach dem 1. November versandt wurden, bis einschließlich 31. Januar 2015 zurückgegeben werden können. Auch stationäre Händler wie Galeria Kaufhof, Christ und Saturn haben für die Zeit im Dezember und Januar ihre Rückgabefristen ausgedehnt. Grundsätzlich werden Waren nur mit Originalpackung– auch, wenn diese geöffnet ist – und Bon zurückgenommen, CDs und DVDs müssen versiegelt sein.

Wenn die Schwiegermutter aber partout nicht mitkriegen soll, dass die geschenkte Tischdecke missfällt, lohnt es sich oft, zu fragen, ob der Umtausch auch ohne Kassenzettel möglich ist. „In vielen Fällen drücken Händler da ein Auge zu“, beobachtet Müller von der Verbraucherzentrale Berlin.

Bei Ebay ist nach der Bescherung viel los

Wer im Laden mit seinem Anliegen dennoch erfolglos bleibt, kann versuchen, ungewollte oder doppelte Geschenke über Onlineplattformen wie Ebay zu verkaufen. Bereits am Heiligabend gegen 20 Uhr – also nach der Bescherung – steigt dort das Aktivitätslevel merklich an, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

„Auch in den weiteren Tagen zwischen den Jahren ist die Nutzeraktivität deutlich erhöht.“ Der Originalpreis lässt sich dabei allerdings nur selten erzielen.

Bargeld oder Gutschein

Ist ein Geschenk fehlerhaft, muss der Händler es auch dann ersetzen, wenn Verpackung und Kaufbeleg fehlen. „Es reicht, einen Zeugen dafür zu haben, dass die Ware bei dem Unternehmen gekauft wurde“, sagt Müller. Kunden sollten da hartnäckig sein. Elektronische Geräte darf der Händler zweimal versuchen zu reparieren. Erst, wenn das zu keiner Verbesserung führt, dürfen die Kunden vom Kauf zurücktreten.

Ohne Bon kann nur gegen einen anderen Artikel oder einen Gutschein getauscht werden. Ansonsten bekommt man häufig auch das Geld zurück. Allein, wer eine Geschenkkarte unter dem Baum liegen hatte, wird die nur schwer wieder los: Händler sind nicht dazu verpflichtet, Gutscheine in Bargeld einzulösen.

Auch Restbeträge müssen nicht bar ausgezahlt werden. Findet er also nichts Passendes im Sortiment, bleibt dem Beschenkten nur, auf neue Ware zu hoffen. Oder den Gutschein weiterzuverschenken. Gern auch zum nächsten Weihnachten – die Karten sind, wenn nicht anders ausgeschildert, drei Jahre lang gültig.

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