Wirtschaft : Nachbars rote Äpfel

Bäumchen rüttel’ dich: die Garten-Gesetzeslage

Julia Gebert

Die Äpfel des Nachbarn sind immer die besten. Vor allem, wenn sie in den eigenen Garten hineinhängen. Die Ernte von Zweigen des nachbarlichen Apfelbaums ist jedoch verboten – es sei denn, die Früchte sind bereits auf den Boden gefallen. Und das muss durch Herbststürme oder ähnliche Naturgewalten passiert sein, denn gezieltes Rütteln und Schütteln ist auch nicht erlaubt.

Die Rechte im eigenen Garten sind nur teilweise juristisch definiert, es gibt nach wie vor vieles, was Nachbarn unter sich regeln müssen. Eine zentrales Recht des Gartenbesitzers ist allerdings die Lufthoheit über das eigene Grundstück. Dies bezeichnet die Überhangsrechte für Zweige von Bäumen des Nachbargrundstücks. Sollten herüberragende Äste die Nutzung des anliegenden Grundstücks stören, darf man nach Vorankündigung zur Motorsäge greifen und im eigenen Luftraum aufräumen. Die Lufthoheit stößt jedoch dort an ihre Grenzen, wo es nicht um nackte Äste, sondern um erntbare Früchte geht. Denn vermeintlich störende Äste abzusägen, um an die reifen Pflaumen heranzukommen, ist nicht erlaubt. Wenn rotbackige Äpfel in den eigenen Hoheitsbereich herabfallen, mag das erfreulich sein. Bei Bergen vom Eichenlaub, das auf dem eigenen Rasen zu einer braunen Glibberschicht wird, verhält es sich schon anders. Den Nachbarn mit Hilfe eines Gerichts zur Beseitigung des Laubs zu bewegen, hat wenig Aussicht. Denn obwohl das Thema Laub einer der häufigsten Streitpunkte ist, gibt es keine einheitliche juristische Regelung. Einziger gemeinsamer Nenner verschiedener Gerichtsurteile: Jeder muss seinen Rasen selber harken. Eindeutiger ist die Rechtslage bei riesigen Tannen, die durch ihren Schatten die Terrasse verdunkeln. Statt auf Lufthoheit kann der Geplagte nun auf Mindestpflanzabstand pochen. Denn um solche Fälle von vornherein zu vermeiden, hat der Gesetzgeber einen Mindestabstand zwischen Baum und angrenzendem Grundstück vorgeschrieben: Dieser variiert je nach Bundesland zwischen zwei und acht Metern. Eine Mindestentfernung empfiehlt sich auch für Kompostanlagen, deren Geruch die empfindliche Nase der Anwohner stören könnte. Erlaubt ist das Recycling von Bioabfällen schon, aber nur, solange es bei kompostierbarem Biomüll bleibt.

Wenn der Gehörsinn der Anwohner sensibel ist und sie auf quakende Frösche im Teich übellaunig reagieren: Das Froschkonzert muss ertragen werden. Man muss ihnen Asyl gewähren, denn Frösche stehen unter Naturschutz.

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