Nachfolge von Josef Ackermann : Die Zukunft der Deutschen Bank

14.11.2011 18:16 UhrVon Miriam Schröder
Überragend. Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. Foto: Tim Wegner/laif
Überragend. Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. - Foto: Tim Wegner/laif

Machtkampf in Deutschlands größtem Geldhaus. Es geht um die Nachfolge Josef Ackermanns. Und damit um den künftigen Wert der Marke. Am Sonntag könnte eine Vorentscheidung fallen.

Wenn in Rom ein Papst gewählt wird, ziehen sich die Kardinäle in die Sixtinische Kapelle zurück. Hat man sich auf einen Bewerber geeinigt, steigt weißer Rauch aus dem Schornstein auf. An diesem Sonntag tagt der Nominierungsausschuss der Deutschen Bank, um einen Vorstandsvorsitzenden als Nachfolger von Josef Ackermann zu nominieren. Im Vorfeld gab es bereits heftige Machtkämpfe, und von der Öffentlichkeit wurde jedes Zeichen registriert: Welcher Vorstand darf bei der Hauptversammlung neben Ackermann sitzen? Warum lernt der Inder Anshu Jain Deutsch? Was bedeutet das Machtspiel zwischen Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ackermann.

Natürlich geht es in Frankfurt nur um eine Bank. Aber eben nicht um irgendeine. Deshalb sieht die Finanzwelt gebannt der Entscheidung entgegen – auch wenn sie nicht durch weißen Rauch angezeigt wird.

Wer könnte Josef Ackermann beerben?

Eigentlich läuft Ackermanns Vertrag noch bis 2013. Die Frage nach seinem Nachfolger drängt aber jetzt schon, weil es keinen klaren Favoriten gibt. Die Aktionäre möchten wissen, wie es weitergeht. Sollte jemand von außen kommen, bräuchte er Zeit, um sich einzuarbeiten. Die amtierenden Vorstände machen ihre Sache alle gut, aber keiner scheint der geborene Chef zu sein.

Die größten Umsätze kann der Investmentbanker Anshu Jain für sich verbuchen. Jain ist aber Inder, spricht kaum Deutsch und hat wenig Kontakte in Deutschland. Sehr gut vernetzt ist dagegen Deutschlandchef Jürgen Fitschen. Der ist aber schon 62. Privatkundenchef Rainer Neske (47) wiederum gilt als zu jung. Risikovorstand Hugo Bänziger hat einen guten Blick über das Gesamtgeschäft, ist aber angeblich kein Freund von Aufsichtsratschef Clemens Börsig.

Josef Ackermann hätte am liebsten Axel Weber auf seinem Posten gesehen, den ehemaligen Präsidenten der Deutschen Bundesbank. Angeblich aber hat Börsig es versäumt, Weber ein Angebot zu machen. Jetzt geht der zu UBS. Der Aufsichtsrat ist formell für die Berufung des Vorstands verantwortlich.

Börsig und Ackermann bekämpfen einander schon seit Jahren. 2009, bevor Ackermanns letzter Vertrag auslief, hatte der Aufsichtsratschef sich mangels Alternativen selbst als Vorstandschef vorgeschlagen. Daraufhin zog Ackermann es vor zu bleiben und brachte das Gremium auf seine Seite. In der vergangenen Woche gab es Gerüchte, der Aufsichtsrat könne Börsig seines Amtes entheben und Ackermann zum Chefaufseher machen. Dann könnte der die Bank repräsentieren, während Jain die Geschäfte führt. Gegen einen so schnellen Wechsel in den Aufsichtsrat gibt es aber ethische Bedenken. Wahrscheinlich ist darum, dass sich Börsig durchsetzt. Er präferiert eine Doppelspitze mit Jain und Fitschen. Die Entscheidung fällt wahrscheinlich schon heute.

Lesen Sie auf Seite zwei, warum die Frage der Nachfolge an der Spitze der Deutschen Bank so wichtig ist.

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