Nachfragerückgang : BASF drosselt weltweit Produktion

Trifft die Rezession die nächste Branche? Der Chemiekonzern BASF drosselt angesichts einer stark gesunkenen Nachfrage weltweit seine Produktion. Tausende Mitarbeiter sind von den Maßnahmen betroffen.

BASF
Der verzweifelte Gigant. Stammwerk der BASF in Ludwigshafen, die größte Chemiefabrik der Welt. -Foto: vario images

LudwigshafenDie Auswirkungen der globalen Finanzkrise haben nun auch den weltgrößten Chemiekonzern BASF mit voller Wucht erwischt: Der Konzern drosselt wegen eines "massiven Nachfragerückgangs" vor allem aus der Autoindustrie seine Produktion um 20 bis 25 Prozent, wie mitgeteilt wurde. Weltweit würden 80 Anlagen für einige Wochen stillgelegt, in noch einmal gut 100 Anlagen werde die Produktion gedrosselt. 20.000 Mitarbeiter seien von diesen Maßnahmen betroffen. Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei aber nicht geplant, betonte eine Sprecherin.

Vorstandschef Jürgen Hambrecht sagte: "Die BASF richtet sich auf harte Zeiten ein." Zum zweite Mal innerhalb von drei Wochen korrigierte er die Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten. Die im Dax notierte BASF-Aktie brach deutlich ein.

Kurzarbeit nicht ausgeschlossen

Der Chemiekonzern kündigte an, die Folgen für die Beschäftigen - wo immer möglich - mit flexiblen Arbeitszeitinstrumenten abfedern zu wollen - etwa über den Abbau von Überstunden oder Urlaub. Wenn allerdings die Nachfrageschwäche länger anhalte und alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, könne an einzelnen Standorten auch Kurzarbeit nicht ausgeschlossen werden. Bei der Vorlage von Geschäftszahlen Ende Oktober hatte die BASF den Abbau von weltweit mehr als 1000 Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren bekanntgegeben.

Seitdem habe sich die Nachfrage der BASF-Kunden in wichtigen Märkten "nochmals deutlich verschlechtert", erklärte BASF-Chef Hambrecht. Vor allem Kunden aus der Autoindustrie hätten bereits erteilte Aufträge kurzfristig storniert. Das Unternehmen produziert unter anderem Lacke für Fahrzeuge. BASF-Abnehmer bauten nun verstärkt Vorräte ab. Belastend sei außerdem, dass die Kunden wegen der Finanzkrise schwieriger an Kredite kämen.

Maßnahmen sind bereits eingeleitet

Um Überkapazitäten zu vermeiden, drossele die BASF die Produktion. Betroffen seien vor allem Anlagen, die für Abnehmer in den Branchen Automobil, Bau und Textil produzierten. Ein Großteil der Maßnahmen sei bereits eingeleitet.

Unter diesen Bedingungen sei das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen des Vorjahres in Höhe von 7,6 Milliarden Euro nicht zu erreichen, so Hambrecht. Die Entwicklung im kommenden Jahr sei derzeit schwer einzuschätzen. "Die BASF wird jetzt noch stärker auf Kosten- und Ausgabendisziplin achten", kündigte der Vorstandschef an. Man wolle die Krise "aber auch konsequent als Chance nutzen".

Am weltweit größten BASF-Standort in Ludwigshafen seien etwa 5000 Menschen von den Maßnahmen betroffen, hieß es. Mit dem Betriebsrat sei dort eine Vereinbarung geschlossen worden, wonach die Ausfälle über flexible Instrumente wie Zeitguthaben und Urlaub aufgefangen werden sollten. Die BASF beschäftigt bei einem Jahresumsatz von zuletzt knapp 58 Milliarden Euro weltweit mehr als 95.000 Menschen. Sie unterhält weltweit rund 400 Standorte. (ck/dpa)

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