Wirtschaft : Nachholbedarf beim Bedienen

Rexrodt stellt "Aktionsprogramm Dienstleistungswirtschaft" vor

BONN (dpa).Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt will verstärkt öffentliche Dienstleistungen in Deutschland privatisieren, um die private Dienstleistungswirtschaft anzukurbeln.Vor allem im Umweltschutz, im Bauwesen, in der Arbeitssicherheit, der Außenwirtschaftsförderung und der technischen Zusammenarbeit mit Ländern der Dritten Welt gebe es Spielräume für Privatisierungen, sagte Rexrodt am Mittwoch in Bonn bei der Vorstellung seines Aktionsprogrammes "Dienstleistungswirtschaft 2000".Die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen sei ein wichtiger Schritt zur Entlastung der öffentlichen Haushalte. Zwar sei die Beschäftigung im deutschen Dienstleistungsssektor seit 1970 um 55 Prozent (6,1 Millionen Erwerbstätige) gestiegen, dem stünden jedoch Zuwachsraten von 65 Prozent in Japan und 90 Prozent in den USA gegenüber, sagte Rexrodt."Beim Bedienen, bei der Orientierung am Kunden, hat Deutschland einen enormen Nachholbedarf." Das Aktionsprogramm soll Wachstum und Beschäftigung im privaten Dienstleistungssektor beschleunigen und die Marktchancen für die Freien Berufe und für Selbständige erhöhen.Es umfaßt sechs Punkte und reicht von der Förderung des Dienstleistungsexports über die Erschließung neuer Kommunikationstechnologien für den Mittelstand bis zur Ausbildung in neuen Service-Berufen. Rexrodt kündigte unter anderem ein Kreditprogramm an, aus dem Existenzgründer ohne eigene Sicherheiten zinsgünstig sogenanntes Risikokapital beziehen könnten.Das Programm, das in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der IKB Deutsche Industriebank entstehe, habe ersten Planungen zufolge ein Volumen von rund 500 Mill.DM für drei Jahre. Deutschland müsse sich auch im Ausland verstärkt als Dienstleister präsentieren, sagte Rexrodt.Vor allem in Osteuropa entstünden "ungeheure Potentiale" für Kooperationsbeziehungen.Anlaufstellen für kooperationswillige deutsche Exporteure sollen entstehen."Tage der deutsche Dienstleister" sollen in Rußland, Tschechien und Ungarn deutsches Know-How vorführen.Die Leipziger Innovationsmesse soll als ständiges Forum für Ost-West-Kooperationen genutzt werden, sagte Rexrodt.

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