Wirtschaft : Nachrichten

HARTMUT MEHDORN



Bei zwei Schlachten um die Zukunft der Bahn schlecht ausgesehen

Würde Hartmut Mehdorn dem Volk eine Weihnachtsbotschaft übermitteln, dann wählte er vermutlich dieselbe Überschrift wie einst Queen Elizabeth, als sie ihr Jahr 1992 bilanzierte: Annus horribilis. Zwei entscheidende Kämpfe hatte der Chef der Deutschen Bahn zu bestehen – den einen hat er schon verloren, den anderen beinahe. Im Streit um die Privatisierung des letzten großen Staatskonzerns konnte er seine Linie, den Verkauf des Unternehmens samt Schienennetz, nicht durchsetzen. Kommt der Verkauf der Bahn in dieser Wahlperiode überhaupt noch zustande, dann nur in einer Form, die Mehdorn seit Jahren bekämpft: mit dem Einstieg in die Trennung von Netz und Betrieb. Auch im zweiten wichtigen Konflikt des Managers, dem mit seinen renitenten Lokführern, sieht es nicht gut aus. Mehdorn hat versucht, sich mit viel Geld Frieden in seiner Belegschaft zu erkaufen. Doch genützt hat es nichts: Der nächste Lokführerstreik ist zwar vermutlich erst mal abgewendet. Doch offenbar hat Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee Mehdorn angeordnet, sich mit seinem Widersacher Schell weiter an den Verhandlungstisch zu setzen. Auch nicht gerade schön für den Bahnchef.

Neben der unsteten Politik bei der Privatisierung und dem Theater mit den Lokführern gab es auch noch Kyrill. Im Januar zwang der Orkan die Bahn, den Zugbetrieb komplett einzustellen – das hatte es bislang noch nicht gegeben. Immerhin: Ähnlich wie die Queen den Briten bleibt auch Mehdorn den Deutschen noch länger erhalten. Seinen Vertrag bekam er bis 2011 verlängert. brö

CHARLES PRINCE

Prominentestes Opfer der Finanzkrise

Besonders gut lief es für Charles Prince bei der Citigroup schon vorher nicht. Doch die Krise am US-Immobilienmarkt wurde dem 57-Jährigen endgültig zum Verhängnis. Seine Bank, immerhin die größte in den USA, hatte Milliardensummen in Wertpapiere gesteckt, die mit Hypothekendarlehen von amerikanischen Hausbesitzern besichert waren. Als die Häuslebauer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten, wurden auch viele der Wertpapiere wertlos. Die Citigroup, und nicht nur die, musste nach und nach immer größere Summen abschreiben – bis heute sind es mindestens 15 Milliarden Dollar (gut zehn Milliarden Euro).

Anfang November musste Prince gehen, nicht einmal eine ordentliche Abfindung bekam er mit. Er hatte die Citigroup in ihre schwerste Krise geführt. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr um rund 45 Prozent gesunken. Damit ist die Bank heute 125 Milliarden Dollar weniger wert als noch zu Jahresbeginn. Im November musste ein Staatsfonds aus Abu Dhabi mit einer Finanzspritze von 7,5 Milliarden Dollar einspringen. Er ist jetzt der größte Einzelaktionär der Bank.

Von den rund 330 000 Mitarbeitern muss laut Medienberichten etwa jeder Zehnte die Bank verlassen. Sogar eine Aufspaltung des Konzerns droht. Denn der Gemischtwarenladen Citigroup, der vom Filialgeschäft über den Aktienhandel bis zum Investmentbanking alles betreibt, ist vielen Aktionären schon lange ein Dorn im Auge. Prince’ Nachfolger Vikram Pandit wird im neuen Jahr noch viel zu tun bekommen. stek

INGRID MATTHÄUS-MAIER

Vom sicheren Job auf den Schleudersitz

Sie ist da irgendwie in eine dumme Sache reingeraten. Als die ehemalige SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier (62) im Oktober 2006 ihr Amt als Chefin der staatlichen Förderbank KfW antrat, klang dies wie ein ruhiger Job für den Spätherbst ihrer Karriere. Von der US-Immobilienkrise war damals noch nicht die Rede. Erst recht glaubte niemand, dass die eher unscheinbare Mittelstandsbank IKB mit Milliardensummen in riskanten Finanzmarktprodukten jonglierte.

Ende Juli 2007 stand die IKB dann plötzlich vor der Pleite und musste von der KfW und der gesamten deutschen Kreditwirtschaft mit Bürgschaften in Milliardenhöhe gerettet werden. Danach kamen Fragen auf, und weil die IKB zu 38 Prozent der KfW gehört, richteten sie sich auch an Matthäus-Maier. Hätte die KfW-Vorstandsvorsitzende nicht etwas von den riskanten Geschäften der IKB mitbekommen müssen? Und wieso kriegt Günther Bräunig, der Mann, den sie zum Aufräumen an die Spitze der IKB gesetzt hat, die Lage nicht in den Griff? Ständig muss die KfW mehr Geld für ihre Tochter nachschießen. Knapp fünf Milliarden Euro sind es bereits. Die KfW kommt langsam an ihre Grenzen. Und die Anleger warten noch immer auf die Geschäftszahlen der IKB für das im September zu Ende gegangene Geschäftsquartal.

Matthäus-Maier steht unter Druck. Angeblich will Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) den Verwaltungsrat der KfW drastisch verkleinern und seiner Parteifreundin genauer auf die Finger schauen. So hatte sie sich den Job sicher nicht vorgestellt. stek

MATHIAS DÖPFNER

Blauer Brief für den

Springer-Konzern

Böse Überraschungen sollten für einen Journalisten wie Mathias Döpfner eigentlich kein Grund sein, nervös zu werden. Als ehemaliger Chefredakteur des Springerblatts „Welt“ und anderer Zeitungen kennt sich der Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags bestens damit aus, wie man mit unerwartet hereinbrechenden Katastrophen umgeht.

Ende 2007 muss sich Döpfner freilich nicht mehr um die richtige Überschrift kümmern – es geht um den gesamten Medienkonzern. Der ist nach Döpfners missglücktem Ausflug ins Postgeschäft unerwartet in schwere Turbulenzen geraten. 620 Millionen Euro, die Springer beim Briefzusteller Pin investiert hat – die größte Einzelinvestition des Konzerns – müssen abgeschrieben werden. Sie werfen einen hässlichen Schatten auf die bis dato ansehnliche Bilanz.

Vor kaum zwei Monaten bewegte sich der Zweimetermann Döpfner noch mit großen Schritten auf das Ende eines Rekordjahres zu. Der damals drohende Mindestlohn schien ihn nicht zu schrecken; später nahm Döpfner ihn zum Anlass, Pin fallen zu lassen. Und nun das: Unter dem Strich wird der Verlag wegen des Pin-Desasters weniger als 2006 verdienen, obwohl man sich operativ noch auf dem hohen Niveau des Vorjahres (340 Millionen Euro) bewegt.

2007 war nicht Döpfners Jahr. Die 300 Millionen Euro, die er seit Jahresanfang mutig in Internetgeschäfte steckte, müssen nun schneller Früchte tragen. Mit dem Ausstieg aus dem Pro-Sieben-Sat-1-Konzern, bei dem Döpfner nach Meinung von Analysten zu spät Kasse machte, überlässt Springer das TV-Geschäft anderen. Zeitschriften und Zeitungen müssen Springer 2008 in Schwung bringen, wenn Döpfner wieder glänzen will. Aber Vertriebs- und Werbeerlöse in einer schwächelnden Konjunktur zu steigern, dürfte nicht leicht sein. Friede Springer, deren Gunst Döpfner genießt, wird genauer hinschauen müssen. mot

KLAUS RAUSCHER

Zu eigenständig für den schwedischen

Mutterkonzern Vattenfall

Der Mann hatte kein Glück. Und dann kam auch noch Pech dazu. Die Preiserhöhung von Vattenfall Mitte des Jahres verwirrte und verärgerte die Kunden dermaßen, dass Vattenfall 250 000 Kunden in Berlin und Hamburg verlor. Der Umgang mit den technischen Pannen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel empörte dann die Öffentlichkeit bundesweit. An der Spitze der deutschen Vattenfall rollten dann Köpfe – und am Ende auch der des Vorstandsvorsitzenden Klaus Rauscher. Rauscher wurde von Lars Göran Josefsson abgesägt, dem Chef der schwedischen Vattenfall AB, dem Eigentümer der deutschen Vattenfall. Er war dem Schweden schon lange zu selbstständig. Beharrlich verteidigte er die Eigenständigkeit des immerhin drittgrößten deutschen Energieversorgers. Der in Deutschland erwirtschaftete Gewinn, so die Devise Rauschers, solle auch hier investiert werden.

Das Selbstbewusstsein des Bayern speiste sich aus dem Erfolg: Rauscher fusionierte ziemlich reibungslos die Hamburger HEW mit der Berliner Bewag und den ostdeutschen Kohlekonzernen Laubag und Veag zur Vattenfall Europe. Seine Erfahrungen in der Politik – Rauscher war unter anderem Chef der bayerischen Staatskanzlei – waren dabei hilfreich. Ende 2006 wurde Rauschers Vertrag um fünf Jahre verlängert. Ein halbes Jahr später flog er raus. alf

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