Wirtschaft : Nachrichten

BERTHOLD HUBER



Die IG Metall in die Zukunft führen

25 – an dieser Zahl lässt sich ablesen, was sich verändert hat. 92 Prozent der IG-Metall-Delegierten wählten Berthold Huber im November zu ihrem neuen Vorsitzenden. Das waren 25 Prozent mehr als im Sommer 2003, als Huber zweiter Vorsitzender wurde. Damals, nach dem verlorenen Streik im Osten und der Führungskrise um Klaus Zwickel, Jürgen Peters und eben Berthold Huber. Die beiden anderen sind weg, jetzt bestimmt Huber die Richtlinien der Politik der größten deutschen Gewerkschaft. Das sehr gute Wahlergebnis belegt auch das Bedürfnis der IG Metall nach einem Anführer, der die gewohnten Pfade und Konfliktfelder verlässt und die Gewerkschaft für neue Mitglieder attraktiv macht; der dem Thema Bildung und Qualifizierung Gewicht gibt und überhaupt eine Vorstellung davon hat, wie sich die Gesellschaft entwickelt und welche Folgen das für die Arbeitnehmer hat. An seiner Seite hat Huber mit Detlef Wetzel einen zweiten Vorsitzenden, der ein Gespür hat für die Bedürfnisse der Beschäftigten, und der Kampagnen anzetteln kann. Die nächsten acht Jahre führen die beiden die IG Metall. alf

HEINRICH HAASIS

Retter der deutschen Sparkassen

Heinrich Haasis hat geschafft, was ihm Anfang des Jahres kaum jemand zugetraut hatte. Er hat die 450 deutschen Sparkassen davon überzeugt, vier Milliarden Euro zusammenzulegen und davon die Landesbank Berlin (LBB) samt Berliner Sparkasse zu kaufen. Dafür ist der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) durch die Provinz getingelt und hat selbst die größten Zweifler auf Linie gebracht – mit Überzeugung oder mit sanftem Druck. Am Ende hat der 62-Jährige in den Verhandlungen mit Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) die Konkurrenz ausgestochen – von der privaten Commerzbank bis zur öffentlich-rechtlichen Landesbank Baden-Württemberg. 5,3 Milliarden Euro haben die Sparkassen dem Land Berlin letztlich für die LBB gezahlt. Damit hat Haasis verhindert, dass erstmals eine private Bank eine öffentlich-rechtliche Sparkasse kauft. Zugleich hat er der LBB eine Perspektive als Landesbank aller Sparkassen gegeben. Sie könnte künftig noch stärker überregional tätig sein. In der Bankenszene und in der Politik hat das dem Schwaben große Achtung eingebracht. stek

ERIC SCHMIDT

Google ist mehr wert als

die deutschen Autokonzerne zusammen

Eric Schmidt, geboren im Jahr 1955, ist derselbe Jahrgang wie Bill Gates. Und er folgt ihm mit seinem Unternehmen dicht auf den Fersen. Google ist inzwischen hinter Microsoft der wertvollste Technologie- und Internetkonzern der Welt. Schmidt führt ihn seit April 2001. Damals holte ihn der Aufsichtsrat in die kleine Internetbude in Kalifornien, um Ordnung ins Chaos zu bringen und das Unternehmen fit für die Börse zu machen. Schon optisch hebt sich Schmidt deutlich von den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page ab: Diese tragen gern T-Shirts und bunte Hemden, er trägt Jackett. Und wenn die beiden kreativen Köpfe sich streiten, ruft der Stratege sie zur Ordnung. Er ist dafür verantwortlich, das rasante Wachstum der Firma zu managen. Und das mit Erfolg: 2007 verdiente Google zum ersten Mal in einem einzigen Quartal mehr als eine Milliarde Dollar. Heute ist Google an der Börse 150 Milliarden Euro wert – das ist mehr als Daimler, BMW, Volkswagen und Porsche zusammen (143 Milliarden Euro).

Längst haben Schmidt und die beiden Gründer aus Google weit mehr als die meistgenutzte Suchmaschine der Welt gemacht. Das ursprüngliche Ziel von Google bestand darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Kritiker sprechen inzwischen von der Krake Google, die immer weiter um sich greift.

Heute kann man seine Mails und Fotos mit Google verwalten und über Google- Maps oder Google-Earth die Welt erkunden. Ein großer Coup gelang Schmidt mit der Übernahme der Onlinewerbefirma Doubleclick für 3,1 Milliarden Dollar. Die leer ausgegangenen Konkurrenten Microsoft und Yahoo fürchten, im Onlinewerbemarkt nun völlig abgehängt zu werden. Schmidt hat längst anderes im Visier: den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft etwa. Mit der Allianz namens Android will er die Mobilisierung des Internets vorantreiben. Dann könnte es die Google-Dienste bald nicht nur auf jedem Rechner, sondern auch auf jedem Handy geben. Sogar der Onlineenzyklopädie Wikipedia will das Unternehmen künftig Konkurrenz machen. „Knol“ heißt das Projekt, das im Dezember gestartet wurde.

Dabei gab es eine Zeit, da sah Schmidt eher wie ein Verlierer aus. Vor seinem Wechsel zu Google war er Vorstandschef des schwächelnden Softwareunternehmens Novell. Heute verändern Schmidt und Google das Internet. Und Schmidt kann auf eine Reihe beeindruckender Zahlen verweisen, etwa die, dass die Aktie seines Unternehmen seit dem Börsengang im August 2004 mehr als 500 Prozent zugelegt hat. vis

SUSANNE KLATTEN

Eine Sonderausschüttung machte

die Quandt-Erbin um 2,4 Milliarden reicher

Sie ist die reichste Frau Deutschlands. Auf 7,75 Milliarden Euro wird das Vermögen von Susanne Klatten geschätzt. Mehr haben in Deutschland nur die Aldi-Brüder und deren Rivale Dieter Schwarz, der Lidl-Chef. In diesem Jahr hat die Tochter des Großindustriellen Herbert Quandt ihr Vermögen noch schneller vermehrt als sonst. Im Juli kassierte die dreifache Mutter eine Sonderdividende von rund 2,4 Milliarden Euro – es war die höchste Dividende des gesamten Jahres. Die Ausschüttung verdankt die 45-jährige Betriebswirtin ihrer vom Vater ererbten Beteiligung am Pharma- und Chemiekonzern Altana, der vor allem wegen seines umsatzstarken Magenmittels Pantoprazol bekannt ist.

Mitte des Jahres verkaufte Altana sein Arzneimittelgeschäft für 4,7 Milliarden Euro an den dänischen Konkurrenten Nycomed. Fast der gesamte Verkaufserlös wurde ausgeschüttet, die Hälfte ging an Großaktionärin Klatten, die zuletzt 50,1 Prozent der Anteile hielt.

Die Milliardärin, der auch Anteile am Autokonzern BMW gehören, hatte gleich doppelten Grund zur Freude: Ihre Ausschüttung konnte sie weitgehend steuerfrei einstreichen, während die Kleinaktionäre ihren Anteil versteuern mussten.

Das stieß vielen sauer auf. Erboste Aktionäre kritisierten, der Verkauf sei auf Klattens Bedürfnisse zugeschnitten worden. Zwei der Anteilseigner, darunter auch der Berliner Umzugsunternehmer Klaus Zapf, zogen sogar vor Gericht. Erfolg hatte er damit allerdings nicht: Die Klage wurde im November abgewiesen. pet

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