Wirtschaft : Nachrichten

DIETER ZETSCHE



Ohne Chrysler glänzt Daimler wieder



Buchstäblich in letzter Minute hat es Daimler-Chef Dieter Zetsche 2007 aufs Siegertreppchen geschafft. Als der Stuttgarter Autokonzern im Mai nach langen Verhandlungen den Verkauf seiner US-Tochter Chrysler bekannt gibt, scheint die Finanzwelt noch in Ordnung. Im August jedoch, als der Deal mit dem US-Investor Cerberus abgeschlossen wird, sind alle Seiten sehr nervös. Nur eine Woche nach dem Abschluss wäre die Transaktion nicht mehr durchsetzbar gewesen, erklärt Zetsche später. Die vom US-Immobilienmarkt ausgelöste Krise hat zu diesem Zeitpunkt Heuschrecken und Kreditmärkte fest im Griff; etliche Milliardenübernahmen müssen abgeblasen werden.

Bei Daimler ging es noch gut. Cerberus übernimmt für 5,5 Milliarden Euro 80,1 Prozent von Chrysler, Daimler behält 19,9 Prozent. Anfang Oktober kann sich Zetsche erleichtert auf der Hauptversammlung in Berlin präsentieren. Mit großer Mehrheit beschließen die Aktionäre die Umbenennung des Konzerns in Daimler AG. Die Werke bekommen den Namen der Gründer: Mercedes-Benz.

Die Aufspaltung von Daimler-Chrysler besiegelt das Aus für die „Welt AG“, mit der Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp die Stuttgarter in eine neue globale Dimension führen wollte. Das Unternehmen muss dafür teuer bezahlen – bis zuletzt. Für die Trennung von Chrysler legt der Konzern 2,6 Milliarden Euro drauf. Auch für die Chrysler-Beschäftigten kommt es dicke: Zum Abbau von 13 000 Jobs zu Jahresbeginn streichen die neuen Besitzer noch einmal 10 000 Stellen.

Zetsche kann das Kapitel Chrysler schließen. „Wir sind wieder da“, sagt er. Steigende Zulassungszahlen für Mercedes lassen den Stern, der wegen Qualitätsmängeln Kratzer bekommen hatte, wieder glänzen. Bis 2010 peilt Daimler für Mercedes eine Marge von zehn Prozent an. Der Konzern wird 2007 einen operativen Gewinn von 8,5 Milliarden Euro erzielen und denkt angesichts prall gefüllter Kassen wieder an Zukäufe. 2007 nennt Zetsche ein „sehr gutes Jahr“. 2008 soll noch besser werden. mot

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