Wirtschaft : Nachrichten

JOSEF ACKERMANN



Vom Buhmann zum Vordenker



Josef Ackermann hat sich befreit. Jahrelang war der Chef der Deutschen Bank der Buhmann der Nation. Er galt als kalter Manager, der grinsend Milliardengewinne verkündet und gleichzeitig tausende Mitarbeiter vor die Tür setzt. In diesem Jahr hat der 59-Jährige sein Bild in der Öffentlichkeit grundlegend gewandelt – unter kräftiger Mithilfe eines neuen Beraters.

Aufatmen konnte Ackermann erstmals am 24. November 2006 – dem Tag, an dem der Mannesmann-Prozess eingestellt wurde. Ackermann und andere Manager waren wegen schwerer Untreue angeklagt, und viele hatten den Bankchef schon im Gefängnis sitzen sehen. Stattdessen zahlte er 3,2 Millionen Euro und konnte die Last der vergangenen Jahre endlich abwerfen.

Im Jahr 2007 wurde der Schweizer Ackermann zum Vordenker der deutschen Wirtschaft. Als es im April darum ging, einen neuen Chef für Deutschlands größten Industriekonzern Siemens zu finden, zog Aufsichtsrat Ackermann wie selbstverständlich die Fäden. Als im Sommer die Finanzkrise aus den USA nach Deutschland schwappte, wurde er zur Galionsfigur der deutschen Bankenbranche. Er tourte durch die Talkshows und erklärte den Menschen am Fernseher die Finanzwelt. Gleichzeitig avancierte er zum wichtigen Ansprechpartner für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Politiker. Er war in Berlin präsent. Ob bei Sommerfesten oder beim Frühstück der IHK: Ackermann plauderte und scherzte und ließ kein Bekenntnis zu seiner neuen Heimat Deutschland aus – auch dann nicht, als ihn die größte US-Bank Citigroup im Herbst angeblich als neuen Vorstandschef nach New York holen wollte. Die Wende zum öffentlichen Auftritt kam nicht zufällig. Im Juni hatte Ackermann einen neuen Kommunikationsberater engagiert: Stefan Baron, zuvor Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“, brachte seinen neuen Boss unters Volk.

Geschäftlich ist Ackermann ohnehin erfolgreich. Er hat die Deutsche Bank in neue Renditesphären geführt. Selbst im Krisenjahr 2007 wird Deutschlands größtes Geldhaus wohl noch einen Rekordgewinn einfahren. Das macht Ackermann nahezu unangreifbar.

stek

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