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Rating-Agenturen verharmlosen die Risiken

Die großen Ratingagentur Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch haben enorme Bedeutung, weil sie die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und ganzen Staaten überprüfen und bescheinigen. Die Agenturen bewerten aber auch die Qualität von Wertpapieren, also zum Beispiel deren Ausfallrisiko. Und hier wird die Sache delikat: Die Agenturen überprüfen die Wertpapiere von Banken im Auftrag eben der Banken, die diese Wertpapiere ausgeben. Das Interesse, diese Papiere als sehr risikoreich einzustufen, dürfte sich also in Grenzen halten. Auch deshalb, weil die Agenturen nicht selbst für ihre Einschätzungen haften. Ohne eigenes Risiko können sie also alles Mögliche behaupten – und dabei ziemlich daneben liegen.

n Ein Punkt ist die Haftung: Die Agenturen müssten also selbst für ihre Einschätzungen geradestehen. Ferner sollte den Agenturen verboten werden, außer dem Rating noch andere Tätigkeiten wahrzunehmen, etwa die Beratung von Finanzinstitutionen, deren Produkte eingeschätzt werden. Auftragnehmer und Kontrolleur – das passt nicht zusammen.

n Der große Wurf wäre aber für viele die Schaffung einer unabhängigen, nicht-kommerziellen, internationalen Ratingagentur, die gewissermaßen hoheitliche Aufgaben wahrnimmt und keine kommerziellen Interessen verfolgt.

n Das Rating hat inzwischen auch in der Banken- und Börsenszene ein sehr schlechtes Image, sodass die Chancen zu einer Reform so gut sind wie noch nie. Am ehesten umsetzbar ist eine Beschränkung der Agenturen auf ihre Kerngeschäft, also das Rating. So kommen sie aus der Kritik und sichern langfristig ihre Existenz.

n Eine staatliche Agentur, bestenfalls noch eine internationale, verspricht am ehesten eine unabhängige, objektive Einschätzung von Werten und Risiken. Wenn Moody’s und Co. noch häufiger die Bestnote AAA vergeben und trotzdem wenig später die Pleite folgt, steigen die Chancen für eine staatliche Bewertungseinrichtung.

n Das Rating ein kompliziertes Geschäft, das Erfahrung braucht und qualifiziertes Personal. Weil die Ratingagenturen eine einzigartige Stellung einnehmen, werden sie sich mit der Macht eines Oligopols gegen Einschränkungen ihres Geschäfts wehren.

n Bis es eine internationale Ratinginstanz gibt, müssen noch viele Unternehmen, Banken und Anleger pleite gehen. Zu unterschiedlich sind die Interessen und Sichtweisen. Mit den Briten zum Beispiel, stark beeinflusst von der Londoner City, wird es im Rahmen der EU keine Institution geben, die an Stelle der privaten Agenturen treten könnte.

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