Wirtschaft : Nachrichten

Aufstiegschancen sinken weiter / Staus kosten 120 Milliarden Euro / Kaupthing-Kunden bekommen komplette Einlagen zurück / "Finanztest": Nur 17 Gratis-Konten ohne Bedingungen

Aufstiegschancen sinken weiter



Berlin - Die Aufstiegschancen für Arbeitslose und Bezieher niedriger Einkommen haben sich einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren vermindert. Nur rund ein Drittel der Menschen aus dieser sozialen Schicht gelangte binnen vier Jahren auf der Einkommensleiter nach oben, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage herausfand. „Rund 63 Prozent der Personen, die 2003 zur untersten Einkommensschicht zählten, waren auch 2007 dort zu finden“, sagte IW-Forscher Holger Schäfer. Damit hat die Einkommensmobilität im Vergleich zum Anfang des Jahrzehnts weiter abgenommen: Damals schaffte noch fast die Hälfte der Betroffenen den Aufstieg. rtr

Staus kosten 120 Milliarden Euro

Brüssel - Verkehrsstaus in Europa kosten jedes Jahr bis zu 120 Milliarden Euro. Das entspreche einem Prozent der gesamten EU-Wirtschaftsleistung, teilte die EU- Kommission mit. Sie stellte ein Strategiepapier mit Verkehrs-Herausforderungen für das nächste Jahrzehnt vor. Schnelle Besserung bei den Staus ist nicht in Sicht. Allein in der EU gebe es 230 Millionen Pkw (Stand: 2006). Das sei etwa ein Drittel aller Autos weltweit. Die Kommission zitierte Studien, wonach es global im Jahr 2050 bereits drei Milliarden Fahrzeuge geben könnte. Europas Straßennetz ist fünf Millionen Kilometer lang, davon sind 60.000 Kilometer Autobahnen. dpa

Mehr Klagen gegen Kündigungen

Düsseldorf - In der Wirtschaftskrise kämpfen Arbeitnehmer zunehmend mit rechtlichen Mitteln um ihren Arbeitsplatz. Der Rechtsschutzversicherer Arag verzeichnete in den vergangenen Monaten einen sprunghaften Anstieg bei den arbeitsrechtlichen Streitigkeiten. Im ersten Halbjahr 2009 sei die Zahl der Fälle, in denen die Arag beim Arbeitsrechtsschutz hierzulande in Anspruch genommen werde, um 20 Prozent gestiegen. Auch in anderen EU-Ländern würden Auseinandersetzungen zwischen Firmen und ihren Beschäftigten häufiger vor Gericht ausgetragen als früher. dpa

Russische Bahn streicht 54 000 Jobs

Moskau - Die staatliche russische Eisenbahngesellschaft RSD, größter Arbeitgeber des Landes, will wegen der Wirtschaftskrise dieses Jahr fast 54.000 Stellen streichen. Den Personalabbau wolle man vor allem über freiwilliges Ausscheiden und Verrentung erreichen, erklärte RSD-Chef Wladimir Jakunin am Mittwoch. Bei der russischen Staatsbahn arbeiten 1,2 Millionen Menschen. Nach Prognosen des Verkehrsministeriums sinkt das Frachtvolumen 2009 um fast ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. „Streng wirtschaftlich gesehen“ hätte man sich von 180.000 Beschäftigten trennen müssen, erklärte RSD. AFP

LTU-Flugbegleiter stimmen für Streik

Berlin - Im Tarifkonflikt um die 1500 Flugbegleiter der Air-Berlin-Tochter LTU haben sich die Mitglieder der Gewerkschaft Verdi klar für einen Streik ausgesprochen. In einer Urabstimmung votierten 96,1 Prozent der Mitglieder für einen Arbeitskampf, wie die Gewerkschaft am Mittwoch in Berlin mitteilte. Ein Streik sei damit „jederzeit möglich“, eine Entscheidung gebe es aber noch nicht. Air Berlin zufolge sollen die Tarifverhandlungen am Freitag fortgesetzt werden. dpa

Automesse Leipzig seltener

Leipzig - Die Leipziger Automobilmesse AMI soll von 2010 an nur noch alle zwei Jahre stattfinden und damit nicht mehr mit der Frankfurter IAA konkurrieren. „Die AMI wird dann in den geraden Jahren die einzige deutsche Automobilmesse sein“, sagte Leipzigs Messechef Wolfgang Marzin am Mittwoch. Die Entscheidung, den Jahresturnus aufzugeben, hängt vor allem mit der Krise der Automobilbranche zusammen. In diesem Jahr hatten viele große Hersteller abgesagt. Es kamen noch knapp 500 Aussteller und rund 250.000 Besucher. dpa

Ermittlungen wegen Insiderhandel

Hamburg - Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung und Insiderhandel gegen Mitarbeiter der Solarfirma Conergy. 24 Büros und Wohnungen seien durchsucht und Beweismaterial sichergestellt worden, darunter auch in der Hamburger Firmenzentrale, sagte Behördensprecher Wilhelm Möllers. Anlass für die Ermittlungen gegen insgesamt elf Verdächtige seien zwei Strafanzeigen, die im vergangenen Herbst und im März bei der Staatsanwaltschaft eingegangen seien. Der Anfangsverdacht richte sich gegen Verantwortliche des Unternehmens, darunter auch solche auf Vorstandsebene. rtr

Großrazzia gegen Schwarzarbeit

Berlin - Bei einer bundesweiten Razzia des Zolls gegen Schwarzarbeit sind insgesamt 21.000 Bauarbeiter kontrolliert worden. Die Aktion habe dem Trockenbaugewerbe gegolten, bestätigte ein Zollsprecher dem Tagesspiegel am Mittwoch. Die Razzia, die auch Berlin betroffen habe, wurde vor fünf Wochen durchgeführt. Insgesamt seien 2100 Zollbeamte im Einsatz gewesen. Fast 8100 Unternehmen wurden überprüft. Zwölf Festnahmen, 61 Straf- und 355 Bußgeldverfahren waren die Folge. bho

EDF startet Milliardenanleihe für Kleinanleger

Paris - In der Finanzkrise wirbt der französische Energiekonzern EDF jetzt auch um das Geld von Kleinanlegern. Sie können seit Mittwoch Anteile an einer Anleihe kaufen, die dem hoch verschuldeten Staatsunternehmen rund eine Milliarde Euro bringen soll. Der Zinssatz liegt bei 4,5 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 10. Juli. EDF hatte Kleinanlegern zum letzten Mal in den 80er Jahren Anleihen angeboten; damals finanzierte der Konzern damit den Bau von Atomkraftwerken. EDF-Chef Pierre Gadonneix kündigte nun an, bei einem Erfolg werde der Konzern wieder „regelmäßig“ solche Anleihen auflegen.AFP

Sal. Oppenheim sieht keine anhaltende Erholung an der Börse

Frankfurt am Main - Ein nachhaltiger Aufschwung an den Aktienmärkten wird nach Ansicht von Experten trotz einer leichten Konjunkturerholung auf sich warten lassen. „Wir sehen die Entwicklung an den Börsen für das zweite Halbjahr verhalten“, sagte der persönlich haftende Gesellschafter der Bank Sal. Oppenheim, Dieter Pfundt, am Mittwoch in Frankfurt am Main. „Die Märkte sind noch nicht über den Berg.“ Der Dax wird nach Ansicht von Experten der Luxemburger Privatbank gegen Ende des Jahres bei höchstens 4800 Punkten liegen.rtr

Kaupthing-Kunden bekommen komplette Einlagen zurück

Reykjavik - Alle 30.000 deutschen Sparer bei der isländischen Kaupthing-Bank bekommen Anfang nächster Woche ihre Einlagen komplett ausgezahlt. Das kündigte ein Sprecher der Kaupthing-Kunden an. Die Einlagen in Höhe von 308 Millionen Euro waren im Oktober nach dem Zusammenbruch der bis dahin größten Bank Islands von den Finanzbehörden in Deutschland gesperrt worden. Der endgültigen Freigabe vorausgegangen war ein langer Streit zwischen der mittlerweile zwangsverstaatlichten Bank und deutschen Stellen. Kaupthing hatte Kunden in Deutschland mit Hochzinskonten angelockt. Alle deutschen Kaupthing-Einlagen werden aus Eigenmitteln der Bank zurückerstattet. dpa

"Finanztest": Nur 17 Gratis-Konten ohne Bedingungen

Berlin - Mit einem kostenlosen Girokonto können Bankkunden über 100 Euro im Jahr sparen. Bei einem Preisvergleich von 67 Instituten hat die Zeitschrift „Finanztest“ 17 kostenlose Girokonten mit EC-Karte ermittelt, die ohne Vorbedingungen angeboten werden, wie sie vorab berichtete. Weitere 33 Kreditinstitute knüpfen das Gratis-Konto demnach an Bedingungen – zum Beispiel an einen bestimmten monatlichen Geldeingang oder den Kauf von Genossenschaftsanteilen. AFP

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