Wirtschaft : Nachrichten

André Anwar

DÄNEMARK

Als Kronzeuge für eine höhere Mehrwertsteuer können die skandinavischen Länder dienen. Vor allem Dänemark erlebt derzeit einen bilderbuchartigen Wirtschaftsboom – und das, obwohl sich das Königreich sein generöses soziales Sicherheitsnetz mit einer hohen Steuerquote erkauft. Allerdings kommt es auf die Art der Steuern an: Denn für Unternehmen sind nicht die indirekten Steuern, sondern die Unternehmensteuern und die Lohnnebenkosten standortentscheidend – und diese sind in Dänemark um einiges niedriger als in Deutschland. So tragen direkte Arbeitsmarkt- und Sozialabgaben lediglich zu zwölf Prozent der staatlichen Einnahmen bei. Der Ausgleich dafür findet über hohe indirekte Steuern statt. Die einheitliche Mehrwertsteuer von 25 Prozent bestreitet rund 21 Prozent aller Steuereinnahmen Dänemarks. Hinzu kommen weitere indirekte Steuern wie die bis zu 100-prozentige Luxussteuer, die beim Auto-, Alkohol- und Zigarettenkauf anfällt. Auch die Ökosteuer, ebenfalls eine indirekte Steuer, macht immerhin 7,5 Prozent der Staatseinnahmen aus.

UNGARN

Auch die ungarische Regierung hat in den vergangenen Jahren auf hohe indirekte Steuern einerseits und niedrige direkte Steuern andererseits gesetzt. So liegt der Spitzensteuersatz mit 38 Prozent unter dem Niveau in den meisten Nachbarstaaten – das Geld hat sich der Finanzminister dann aber über die 25-prozentige Mehrwertsteuer wieder hereingeholt. Vor allem in den letzten Jahren vor dem EU-Beitritt hat diese Politik zu einem deutlichen Aufschwung der Wirtschaft geführt: Das Wachstum lag bei konstant mehr als vier Prozent. Seit dem EU-Beitritt haben sich die Vorzeichen aber geändert, und so wurde die Mehrwertsteuer in den vergangenen Monaten zunehmend zum Problem: Denn von ihr profitierte vor allem Österreich, wo sich die Ungarn mit billigeren Elektronikgeräten oder Benzin eindeckten. Anfang Oktober hat die Regierung der Steuerpolitik deswegen eine neue Richtung gegeben: Ab dem kommenden Jahr wird die Mehrwertsteuer auf 20 Prozent gesenkt. Markus Huber

SCHWEIZ

Verkehrte Welt: Was in Deutschland dem reduzierten Mehrwertsteuersatz entspricht, ist in der Schweiz der Höchstsatz: Die Eidgenossen erheben lediglich 7,6 Prozent Mehrwertsteuer und haben damit einen der niedrigsten Sätze Europas. Auf Lebensmittel sind sogar lediglich 2,4 Prozent fällig, auch die Hotellerie wird begünstigt: mit 3,6 Prozent. Und während Deutschland diskutiert, die Mehrwertsteuer anzuheben, plant die Schweiz das genaue Gegenteil: So will Finanzminister Hans-Rudolf Merz den Mehrwertsteuersatz auf 5,5 Prozent vereinheitlichen und damit für die meisten Güter senken. Dabei rechnet das Finanzministerum durch den niedrigeren Mehrwertsteuersatz nicht etwa mit sinkenden Einnahmen – im Gegenteil: Schließlich sei dies ein „Anreiz für Firmen, sich hier niederzulassen“, so das Ministerium. Merz geht sogar noch weiter: Er plant eine so genannte Flat-Tax, einen einheitlichen, niedrigen Einkommensteuersatz, wie er in osteuropäischen Ländern mit Erfolg angewendet wird. Niedrige Mehrwertsteuer und niedrige Einkommensteuer – in der Schweiz ist das kein Widerspruch. Antje Kramer

USA

Jeder New-York-Besucher kennt das: Da geht man an die Kasse und wundert sich, dass der zu zahlende Betrag viel höher ist als auf dem Preisschild. 8,25 Prozent Mehrwertsteuer müssen die Händler auf ihre Waren draufschlagen, doch da ihnen das Geld nicht zugute kommt, sehen sie nicht ein, warum sie es extra ausweisen sollten. Die Sache mit der Sales-Tax ist in den USA ohnehin unübersichtlich, denn sie variiert von Bundesstaat zu Bundesstaat. Die Landesregierung gibt die Rate vor, aber einige Kommunen dürfen dann noch etwas draufschagen. Im Durchschnitt kassiert Tennessee (9,4 Prozent) am meisten, Oregon und Montana hingegen erheben gar keine Mehrwertsteuer. Grundsätzlich ist es vier staatlichen Ebenen erlaubt, für direkte oder indirekte Steuern die Hand aufzuhalten: der Regierung in Washington, dem Bundesstaat, den Schuldistrikten und den lokalen Städten und Gemeinden. Ganz Schlaue ziehen deshalb zum Beispiel in den Staat Washington, gleich an die Grenze zu Oregon. Denn dort brauchen sie keine lokale Einkommensteuer zu zahlen und können im Nachbarstaat einkaufen, ohne mit einer Mehrwertsteuer belastet zu werden. Matthias B. Krause

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