Wirtschaft : Nachsitzen bei der Weberbank

Die Finanzaufsicht lehnt den designierten Chef Harald Christ ab. Der kommt trotzdem ins Unternehmen

Moritz Döbler,Stefan Kaiser

Berlin – Die Finanzaufsicht Bafin hat in den geplanten Führungswechsel bei der Weberbank eingegriffen. Der designierte Vorstandschef der Bank, Harald Christ, kann dieses Amt nicht wie geplant zum 1. Oktober antreten. Nach Informationen aus Finanzkreisen lehnt die Bafin den 35-Jährigen wegen mangelnder Erfahrung im Kreditgeschäft ab. Nun soll Christ als Generalbevollmächtigter bei der Weberbank arbeiten, bevor er auf den Chefposten kommt. Von höchstens einem Jahr ist die Rede. Den Vorstandsvorsitz soll bis dahin Michael Graf Strasoldo übernehmen. Der bisherige Generalbevollmächtigte Klaus Siegers rückt in den Vorstand auf.

Die Weberbank teilte die Personalien am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit, ging aber nicht auf die Rolle der Bafin ein. Harald Christ zeigte sich von der Entwicklung unbeeindruckt. „Die Bafin verhält sich völlig korrekt“, sagte er dem Tagesspiegel. Er sei fünf Jahre lang nicht im Bankgeschäft aktiv gewesen, daher sei absehbar gewesen, dass die Finanzaufsicht seine Krediterfahrung infrage stellen könnte. Sein Vertrag sehe ausdrücklich die Möglichkeit vor, dass er als Generalbevollmächtigter komme. „Ich werde selbstverständlich antreten – an meiner Motivation hat sich überhaupt nichts geändert.“

Der bisherige Chef der Weberbank, Guido Mundt, wechselt zum 1. Oktober zurück zur Konzernmutter West LB, wo er das Asiengeschäft verantworten soll. Dass Christ, der bisher Vorstandschef des Hamburger Finanzdienstleisters HCI Capital ist, den Vorstandsposten bei der Weberbank zum 1. Oktober übernehmen würde, hatte die Bank Kunden und Mitarbeitern bereits mitgeteilt.

Nun hat die Bafin diesen Plan mit sanftem Druck gekippt. Eine Sprecherin der Behörde sagte am Freitag, es habe keine bankaufsichtlichen Maßnahmen gegeben. Die hätte die Bafin auch erst später einleiten können. Offiziell muss die Behörde nämlich der Berufung eines neuen Vorstandsmitgliedes durch den Aufsichtsrat gar nicht zustimmen. Es ist jedoch üblich, dass sie um ihre Einschätzung gebeten wird. Dieser Einschätzung wird in der Regel gefolgt, weil die Bafin dem Vorstandsmitglied sonst später die Eignung als Geschäftsleiter entziehen kann.

Kern der Beanstandung ist im Fall Christ seine mangelnde Erfahrung im Kreditgeschäft, die er nun auffrischen soll. Der gelernte Industriekaufmann war bis 2002 jahrelang bei der Deutschen Bank tätig und kümmerte sich dort um das Geschäft mit vermögenden Privatkunden, das auch bei der Weberbank im Vordergrund steht. Der neue Übergangschef Graf Strasoldo ist schon seit 1993 in der Geschäftsleitung der Weberbank und spielte eine wichtige Rolle bei der Übernahme durch die West LB im Jahr 2005. Zurzeit ist Graf Strasoldo als Vorstandsmitglied für Vermögensverwaltung und institutionelle Kunden zuständig.

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