Wirtschaft : Nachteile der Steuerprogression

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Die USSteuerbehörde hat gerade ihre Zahlen für das Jahr 2001 veröffentlicht, und eine Erkenntnis lautet, die Reichen sind nicht reicher geworden. Verblüffend ist jedoch, wie sehr sich mittlerweile die amerikanische Regierung auf die Reichen stützt, um die Staatsausgaben zu finanzieren.

Die Einkünfte des Staates sanken im Jahr 2001 um 93 Milliarden Dollar. Ein Großteil des Rückgangs ist auf die ein Prozent Spitzensteuerzahler zurückzuführen, die weniger zahlten als im Jahr zuvor, nämlich 301 Milliarden Dollar gegenüber 367 Milliarden im Vorjahr. Diesen Rückgang mit den Steuersenkungen durch die Regierung Bush zu erklären, ist unmöglich. Die Steuersenkungen wurden erst Mitte des Jahres 2001 verabschiedet und sind deshalb kaum ins Gewicht gefallen. Die Einkünfte sanken, weil das Einkommen der ein Prozent Spitzenverdiener gegenüber 2000 um 18 Prozent fiel.

Die Zahlen der Steuerbehörde belegen, dass 2001 für niemanden ein herausragendes Jahr war. Mit der Rezession der US-Wirtschaft ging das Einkommen fast aller Amerikaner um fast drei Prozent zurück. Doch das gesamte Steueraufkommen fiel um mehr als neun Prozent, weil die Steuerzahler im Spitzenbereich für das Gros der Steuerdollars stehen. Die Zahlen der US-Steuerbehörde verdeutlichen einmal mehr, dass das US-Einkommenssteuersystem stark progressiv ist. Zwar verringerten die ein Prozent Spitzenverdiener ihren Anteil an der Gesamtsteuerlast auf die 17,4 Prozent. Doch die obere Hälfte aller Steuerzahler zahlte mehr als 96 Prozent des gesamten Steueraufkommens, während die untere Hälfte einen Anteil von weniger als vier Prozent aufbringt. Die oberen zehn Prozent der Steuerzahler erbringen etwa 65 Prozent aller Steuereinkünfte.

Diese progressive Besteuerung aber macht die Regierung so enorm abhängig von den Spitzenverdienern. In guten Zeiten wachsen die von den Reichen erbrachten Steuereinnahmen tendenziell schneller als die Wirtschaft. In schlechten Zeiten gehen die Staatseinkünfte jedoch schneller zurück als das allgemeine Wachstum.

Das bedeutet auch ein Problem für jene Linken, die fordern, die Reichen stärker zu besteuern. Man könnte es das Dilemma von der Gans und den goldenen Eiern nennen. Klassenkämpfer wollen die Steuern für die wohlhabende Gans erhöhen, damit sie mehr ausgeben können. Doch höhere Steuern werden die Wirtschaft hemmen und somit die Staatseinkünfte mindern.

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