Wirtschaft : „Nächstes Jahr bauen wir 600000 Golf“

VW-Vorstand Detlef Wittig über einen Golf-Geländewagen, die Probleme mit dem Phaeton und den US-Markt

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Herr Wittig, ist Ihnen nicht unheimlich, weil VW so abhängig vom Golf ist?

Nein. Früher war es so, dass die Abhängigkeit von einer Modellreihe viel größer war als heute. Der Golf hat heutzutage einen Anteil von rund 25 Prozent in der Marke Volkswagen. Und darüber bin ich froh, denn das belegt den großen Erfolg dieses Autos.

Wie viel Golf will VW in diesem und im nächsten Jahr verkaufen?

In diesem Jahr werden wir rund 130 000 Golf produzieren und dieses Volumen auch etwa in unsere Vertriebsorganisation einfließen lassen. Wir werden in Deutschland in den letzten Jahresmonaten noch etwa 25000 Golf verkaufen. Im nächsten Jahr sollen im Inland rund 200000 Golf abgesetzt werden. Insgesamt werden wir 2004 rund 600000 Golf produzieren und ausliefern.

Und wann kommen die Golf-Ableger, also das Cabrio und das Sport-Utility-Vehicle, ein kleiner Geländewagen auf Golf-Basis?

Im Moment sind wir sehr erfolgreich mit dem New Beetle Cabrio und im Sport-Utility-Markt mit dem Touareg. Aber sicherlich werden wir in den nächsten Jahren auch auf der Golf-Basis weitere Nischen-Fahrzeuge anbieten.

Wie teuer wird der neue Golf?

Wir orientieren uns an den Preisen des Vorgängermodells, den günstigsten Golf V gibt es wie bisher den IV für 15 220 Euro. Wegen der vielfältigen Motorisierungsvarianten wird es selbstverständlich künftig eine größere Spannbreite auch bei den Preisen geben.

Aber der Rußfilter für den Diesel ist im Preis nicht inbegriffen.

Volkswagen verfügt bei der konsequenten Umsetzung der Euro IV-Strategie zwei Wege. Für alle Modell, die zur Erfüllung dieser Norm einen Partikelfilter benötigen, wird dieser zur Serienausstattung gehören, bei anderen Modellen wird dieser optional angeboten werden. Der neue Golf erfüllt in allen Motor-/Getriebeversionen auch ohne Dieselpartikelfilter die Euro IV-Abgasnorm.

Wie viel wird der Filter kosten?

Das wird vermutlich in der Größenordnung liegen, die auch andere Hersteller bereits genannt haben.

Gewissermaßen als erster neuer Golf, weil er auf derselben Plattform basiert, ist der Minivan Touran schon seit einigen Monaten im Markt. Wird er trotz des biederen Äußeren den Absatzerwartungen gerecht?

Absolut. Wir haben beim Touran eine flache Anlaufkurve gewählt, also die Produktion langsam hoch gefahren, weil das Auto ja in einer neuen Produktionsorganisation in der Fabrik Auto 5000 entsteht. Jetzt übertrifft der Absatz unsere Erwartungen und wir werden in diesem Jahr wohl 130000 Touran verkaufen. Und was das Design anbelangt: Unseren Kunden gefällt er – und das allein zählt.

Wie gefällt Ihnen der kleine Opel-Meriva, der das Segment unterhalb des Zafira abdeckt?

Sehr gut.

So ein Auto hat VW nicht.

Im Moment nicht. Aber wir denken durchaus auch über dieses Segment nach.

Auf der Basis des Polo?

Eher nicht. Aber genaueres möchte ich heute dazu noch nicht sagen.

Alle Autohersteller beobachten mit Sorgen die Entwicklung des US-Marktes. Wie wird dort das Jahr für VW?

Wir werden sicher nicht das Rekordergebnis von 2002 erreichen, als wir in den USA 345000 Fahrzeuge verkauft haben. Aber wir rechnen schon mit etwa 320000 bis 325000 Verkäufen. Auch deshalb, weil der Touareg sehr gut angenommen wird und das Beetle-Cabrio hervorragend läuft.

Dafür bricht der Absatz des Beetle ein.

Das gleicht das Cabrio aber wieder aus. Im nächsten Jahr werden wir in den USA mit rund 36000 Einheiten etwa ebenso viele Cabrios verkaufen wie „normale“ New Beetle. Und der Touareg wird so gut aufgenommen, dass wir die Produktion in Bratislava von 70000 Fahrzeugen auf 90000 erhöhen.

Leider ist der Absatz des Phaeton nicht annähernd so positiv. Vom Absatzziel 20 000 im Jahr sind Sie weit entfernt.

Das hängt damit zusammen, dass wir erst nach und nach alle Varianten des Phaeton auf den Markt bringen. In den USA bereiten wir gegenwärtig die Markteinführung vor, 50 Phaeton sind bereits jetzt in Nordamerika unterwegs, um die eigentliche Einführung im Herbst vorzubereiten. In diesem Jahr erwarten wir einen Phaeton-Absatz in den USA von einigen Hundert, im nächsten Jahr aber bereits um die 4500, sodass wir dann unserem mittelfristigen Ziel von 20000 verkauften Phaeton näher kommen.

Herr Pischetsrieder hat angedeutet, dass es auch ein VW-Modell geben könnte, das zwischen Phaeton und Passat angesiedelt ist.

Ja. In dem Bereich gibt es durchaus eine Lücke, die wir füllen möchten, um VW-Kunden ein Aufstiegsmodell zwischen Mittel- und Oberklassen anbieten zu können.

Und wann?

Das wird noch einige Zeit dauern.

Das Gespräch führte Alfons Frese.

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