Wirtschaft : Nahende Steuererhöhung bringt Verbraucher in Kauflaune

Carsten Brönstrup

Berlin - Vor der Mehrwertsteuererhöhung 2007 planen viele Verbraucher noch eine große Einkaufstour. Einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge stieg die Stimmung der Verbraucher im September auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Einige an der Börse notierte Handelswerte – Douglas oder Karstadt-Quelle – reagierten mit leichten Kursgewinnen. Nach dem Jahreswechsel dürfte sich die gute Laune aber vermutlich schlagartig verschlechtern, befürchten Wirtschaftsexperten – und der Konsum abrutschen.

Der GfK-Konsumklima-Index, ermittelt durch die monatliche Befragung von rund 2000 Personen, stieg von 8,6 auf 8,8 Punkte, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Bereits in den Monaten Juni und Juli hatte der GfK-Index Höchststände erreicht. Die Teilkomponente über die Neigung zu größeren Anschaffungen wie Autos oder Möbeln zog stark von 56,1 auf 62,3 Punkte an. Das war der höchste je gemessene Wert. Vor allem Bezieher geringerer Einkommen gaben an, in den kommenden Wochen verstärkt einkaufen gehen zu wollen. Die Konjunkturerwartungen stiegen von 11,4 auf 12,4 Punkte.

Noch aber sind die Deutschen bei der Frage nach ihren Einkommenserwartungen für die kommenden Monate unsicher. Der GfK-Teilindikator dafür sank von minus 3,8 auf minus 8,8 Zähler und liegt damit weiter unter dem langjährigen Durchschnitt von null. Daran sei neben den Steuerplänen der Regierung auch die moderate Lohnentwicklung in der jüngeren Zeit verantwortlich, sagte Alexander Koch von der Hypo-Vereinsbank.

„Die meisten Leute blicken derzeit offenbar nur auf die Steuererhöhung ab 2007“, sagte Andreas Scheuerle, Konjunkturexperte bei der Deka-Bank. Anfang kommenden Jahres werde sich daher das Konsumklima aber wieder spürbar eintrüben. „Der einzige Joker wäre der Arbeitsmarkt – entwickelt sich die Beschäftigung in den kommenden Monaten besser als bislang gedacht, fassen die Leute auch längerfristig wieder mehr Vertrauen in die Zukunft“, sagte er. Der zuletzt sinkende Ölpreis allein tauge nicht, um die Zuversicht zu stärken. „Trotz des deutlichen Rückgangs weiß niemand, ob Energie auf Dauer billig bleiben wird.“

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) geht von günstigen Aussichten aus. „Die Besserungstendenzen am Arbeitsmarkt werden über kurz oder lang auch die Einkommensperspektiven aufhellen und dem privaten Konsum zusätzlichen Auftrieb verschaffen“, erklärte er.

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