Wirtschaft : Nahrungsmittel: Die Deutschen bleiben Europameister im Brotessen

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Die Deutschen bleiben Europameister im Brotessen: Rund 1500 Schnitten und 350 Brötchen verspeiste jeder Bundesbürger im abgelaufenen Getreidewirtschaftsjahr, im Durchschnitt, versteht sich. Das macht unter dem Strich 84,9 Kilogramm pro Kopf und Jahr - der europäische Durchschnitt liegt gerade mal bei 66 Kilogramm pro Bauch und Jahr, der Durchschnittsengländer bringt es gar nur auf 55 Kilo.

Marktforscher Heiko Zentgraf zog am Dienstag zufrieden Bilanz des Brotjahres 2000/2001: "Der Brotappetit ist unverändert gut", sagte der Geschäftsführer der Vereinigung Getreide-, Markt- und Ernährungsforschung (GMF) in Berlin. Das Getreidewirtschaftsjahr endet traditionell Ende Juni.

Weder Großbäcker wie Kamps noch die Lebensmittelskandale der vergangenen Monate haben der Liebe der Deutschen zu mehr oder weniger knusprigen Schrippen, zu Roggenbrot oder Weißbrot-Stullen etwas anhaben können. Ganz im Gegenteil: Brot gilt als skandalresistent. "Brot ist rundherum gesund, ungefährlich und sicher", betonte Deutschlands oberster Brotprüfer Jürgen-Michael Brümmer, der im Auftrag der Deutschen Lebensmittel-Gesellschaft das deutsche Brot testet. Auch die zunehmende Konzentration in der Branche habe der Brotqualität und -vielfalt nichts anhaben können.

Nach einer Umfrage aus dem Frühsommer greifen 95 Prozent der Deutschen gerne oder sehr gerne zu Brot. Mehr als zwei Drittel der Befragten schmieren sich danach täglich eine Stulle. Aber selbst beim Grundnahrungsmittel zeigen Frauen und Männer Unterschiede: So griffen Frauen eher zu Brot, Männer dagegen lieber zum Brötchen. Auch das ist Ergebnis der Umfrage, die im Auftrag der Bauernverbands-Töchter CMA und ZMP durchgeführt wurde.

Die Brotauswahl ist in Deutschland nach wie vor so groß wie in keinem anderen Land Europas: 300 verschiedene Sorten werden in den Bäckereien und Supermärkten zwischen Kiel und Konstanz angeboten. Etwa ein Drittel des gesamten Brotverbrauches wird inzwischen außer Haus verzehrt, in Restaurants, Imbissen oder Autobahnraststätten. Der Trend geht zu Kleingebäck wie Brezeln oder Croissants. Das führt auch dazu, dass die Bäcker in der Mühle immer mehr Weizen, statt Roggenmehl bestellen - obwohl Roggenbrot nach Auskunft von Brotforscher Brümmer deutlich gesünder ist als Weißbrot. "Nicht jedes Brot hilft gegen jede Malaise - aber Roggen hilft ein bisschen mehr." Die meisten Bundesbürger interessiert das wenig. "Wir schaffen es nicht, die Deutschen zu Vollkornbrotessern zu machen", sagte der Brotforscher.

Ob die Bäcker es schaffen, die Deutschen zu Gen-Brot-Essern zu machen, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Noch werde beim Brotbacken kein gentechnisch verändertes Getreide verwendet, versichert Brotprüfer Brümmer.

Die Preise für Brot und Schrippen sind im letzten Jahr nur leicht gestiegen. Im Juni/Juli waren sie 2,7 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel insgesamt verteuerten sich dagegen um über drei Prozent. Insgesamt setzte die Branche im vergangenen Jahr 26 Milliarden Mark mit Brot und Kleingebäck um. 61 Prozent davon wurden in Bäckereien verkauft, 35 Prozent im Lebensmitteleinzelhandel, der Rest auf Wochenmärkten, in Kiosken und Raststätten.

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