Wirtschaft : Nahtlose Mobilität

Die Mobilfunkfirmen wollen Festnetzanbietern die Kunden wegschnappen – nach O2 und Vodafone zieht die Telekom nach

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Berlin Deutsche Mobilfunkunternehmen wollen den Festnetzanbietern die Kunden weglocken. Nachdem die Anbieter O2 und Vodafone mit ihren Tarifen „Genion“ und „Zuhause“ bereits die Möglichkeit geschaffen haben, zu Preisen auf Festnetzniveau in einem selbst gewählten Gebiet – der „Homezone“ oder „Zuhause“ – mit dem Handy zu telefonieren, zieht nun die Deutsche Telekom nach.

Die Telekom hat bereits angekündigt, auf der Ifa ähnliche Produkte vorstellen zu wollen. „Wir werden für Nur-Mobilfunkkunden eine Homezone-Lösung und für Kunden, die ihren gewohnten Festnetzanschluss behalten wollen, ein Dual Phone anbieten“, hatte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke jüngst in Aussicht gestellt. Nach Informationen des Tagesspiegels wird dieses Dual Phone, das sowohl im Festnetz als auch mobil funktioniert, von Siemens gebaut. Weder die Telekom noch Siemens wollten dies vor der Ifa offiziell bestätigen.

Das erste Dual Phone führte die Telefongesellschaft British Telecom in England ein. Das Dual Phone ist ein tragbares Gerät und funktioniert wie ein Handy, solange es von unterwegs benutzt wird. Sobald der Nutzer sein Haus betritt, wechselt das Gerät automatisch auf eine Festnetzverbindung. Möglich wird dies durch Bluetooth, eine Funkverbindung, die über kurze Strecken das Handy mit dem Festnetzanschluss verbindet.

In Deutschland war O2 Vorreiter bei dem Versuch, den Festnetzanschluss zu Hause überflüssig zu machen. Das Angebot von O2 basiert allein auf Mobilfunk – aber mit der Möglichkeit, in der „Homezone“ zu Preisen fast wie im Festnetz zu telefonieren. Von 8,4 Millionen O2-Kunden nutzen 3,2 Millionen dieses Angebot, Tendenz steigend. Der Minutenpreis liegt zwischen drei und sieben Cent, die Preise der Telekom liegen nur leicht darunter. Vodafone ist mit dem Tarif „Zuhause“ inzwischen nachgezogen. Der Unterschied zum Konkurrenten O2: Bis jetzt braucht der Kunde zwei Geräte, eins für unterwegs, eins für „Zuhause“. Ab Ende Oktober wird auch Vodafone ein Produkt anbieten, das Handy und Festnetz in einem Gerät vereint.

Manfred Breul, Telekommunikationsexperte vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) glaubt, dass der Mobilfunk das Festnetz bald ganz ablösen wird. Schon jetzt hat der Mobilfunkmarkt das Festnetz in den Umsatzzahlen überholt. Und auch bei den Gesprächsminuten wird der Mobilfunk bald die Nase vorn haben, glaubt Breul. „Die Anbieter kommen mit solch intelligenten Tarifen, die alle auf den klassischen Festnetzkunden zielen, dass der Kunde sich bald ganz auf das Handy verlassen wird – und das, ohne finanzielle Nachteile zu haben, eher im Gegenteil.“ Breul spricht von einer weltweit „nahtlosen Mobilität“, die schon in zehn Jahren realisiert werden könne. Der Kunde habe nur noch ein Gerät – je nach Aufenthaltsort wähle sich dieses in das preisgünstigste Netz ein. Anne Hansen

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