Namensstreit : Microsoft verzichtet auf Metro

Der Softwarekonzern Microsoft weicht einer juristischen Auseinandersetzung mit dem deutschen Handelskonzern Metro aus.

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Der, die oder das „Metro“? In Paris und Moskau heißt die U-Bahn so, in Deutschland auch ein großer Handelskonzern, der nicht verwechselt werden will. Foto: dapd
Der, die oder das „Metro“? In Paris und Moskau heißt die U-Bahn so, in Deutschland auch ein großer Handelskonzern, der nicht...Foto: dapd

Berlin - Berlin ist eine Metropole. Hier fährt man Metrobus, ebenso in Hamburg oder Istanbul. In Paris und Moskau heißt die U-Bahn Metro. Und es gibt Männer wie David Beckham, die nennen einige metrosexuell. Metro wird häufig verwendet, um etwas zu beschreiben, das großstädtisch, weltläufig oder modern ist. Diese Konnotationen haben sicher auch bei der Namensgebung für den Handelskonzern Metro eine Rolle gespielt. Doch weil der Begriff so populär ist, hat die Metro nun ein Problem. Denn als Unternehmen möchte es seine Marke und seinen Handelsnamen schützen. Und weil der Begriff so häufig verwendet wird, geht Metro besonders konsequent vor – das hat jetzt sogar der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft zu spüren bekommen.

Microsofts wichtigstes Produkt, das Betriebssystem Windows, kommt in knapp drei Monaten als Windows 8 neu auf den Markt. Ein wichtiger Teil davon, die Benutzeroberfläche (oder wie die Computerexperten es nennen: das User Interface) hieß Metro. Bis Metro intervenierte und – mehr oder weniger sanft – auf die namensrechtliche Problematik hinwies. Offiziell gibt es von Metro dazu keinen Kommentar und auch Microsoft hat in dieser Angelegenheit keinen großen Redebedarf. Fakt ist, dass die Benutzeroberfläche nun den knackigen Namen „Windows 8-style UI“ trägt, wobei UI für User Interface steht. „Es fällt uns nicht schwer, uns von dem Namen Metro zu verabschieden“, behauptet ein Microsoft-Sprecher.

„Ich denke, Microsoft hat eher aus kaufmännischen als aus rechtlichen Erwägungen von dem Namen Abstand genommen“, sagt der Markenrechtsexperte Christian Engelhardt von der Kanzlei Latham & Watkins. „Die Bezeichnung ist für Microsoft nicht so wichtig.“ Jedenfalls nicht so wichtig, dass es den Aufwand eines Verfahrens gerechtfertigt hätte. Wie teuer es geworden wäre, ist schwer zu sagen. Dies hängt weitgehend vom Streitwert ab, den ein Richter festlegt. „Durch mehrere Instanzen hätte am Ende ein sechsstelliger Betrag dabei herauskommen können“, sagt Engelhardt. Dabei hätte Microsoft gute Chancen gehabt, zu gewinnen. „Ich sehe ernstzunehmende Zweifel, ob Metro eine Verletzung ihrer Rechte hätte begründen können“, ist seine Einschätzung.

Jens Steinberg, Partner der Kanzlei Greyhills, sieht das anders. Da Metro nicht nur eine Marke für eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen ist, sondern auch ein bekannter Handelsname, der vor Verwässerung und Rufausbeutung umfassend geschützt sei, hätte es Microsoft schwer gehabt: „Ich hätte für Metro eine Erfolgschance von 80 bis 90 Prozent und mehr in einem Verletzungsprozess gesehen“, sagt Steinberg. Allerdings hat Metro auch schon Prozesse verloren – zum Beispiel gegen die Metrobusse in Hamburg und Berlin.

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