Wirtschaft : Napster droht die Insolvenz

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Die Musiktauschbörse Napster steht vor dem Aus. Der Chef des Online-Dienstes, Konrad Hilbers, gab am Mittwoch seinen Rücktritt bekannt. Auch Napster-Gründer Shawn Fanning und weitere Topmanager sollen sich aus dem Unternehmen zurückgezogen haben. Hintergrund sind die gescheiterten Verhandlungen mit dem Medienkonzern Bertelsmann über eine vollständige Übernahme von Napster. Bertelsmann hatte die Tauschbörse, die im Juli 2001 nach juristischen Auseinandersetzungen mit den Musikkonzernen vom Netz genommen wurde, mit Krediten im Umfang von 85 Millionen Dollar finanziert. Das jüngste Angebot des Gütersloher Konzerns, die Anteile der Altaktionären für 16,5 Millionen Euro zu übernehmen, wurde vom zerstrittenen Napster-Aufsichtsrat abgelehnt. Nun erwägt das Unternehmen nach Zeitungsberichten Gläubigerschutz zu beantragen. Ex-Bertelsmann-Manager Hilbers bedauerte in einem Brief an die Beschäftigten das Scheitern der Verhandlungen.

Napster, 1999 im Silicon Valley gegründet, war zu seinen besten Zeiten die weltgrößte Gratis-Tauschbörse für Musik im Internt mit rund 70 Millionen Nutzern. Nach der Abschaltung, die die Musikindustrie im vergangenen Jahr juristisch erzwang, war der Neustart des neuen, kostenpflichtigen Napster mehrfach verschoben worden. Trotz der Unterstützung von Bertelsmann gelang es dem Unternehmen nicht, sich mit den Plattenfirmen auf Ausgleichszahlungen für die Nutzung ihrer Musikrechte zu einigen. Im Zuge eines drastischen Sparprogramms hatte Napster zuletzt im April 30 seiner 100 Mitarbeiter entlassen. Derweil sind die ehemaligen Nutzer zu Konkurrenten wie Kazaa oder Morpheus abgewandert. Die Musikindustrie versucht gleichzeitig einen eigenen, bislang erfolglosen Internetvertrieb aufzubauen.

"Wir bedauern, dass die Napster-Aktionäre keine Einigung über das Angebot erzielen konnten", kommentierte Bertelsmann am Mittwoch seinen vergeblichen Versuch, Napster ganz zu übernehmen. "Wir glauben weiterhin an den Wert der Technologie und hoffen darauf, dass Napster sein Potenzial als überzeugendes Angebot an den Kunden erfüllen kann." Bertelsmann habe Napster nicht in die Insolvenz getrieben, betonte ein Sprecher. Unter den gegebenen Umständen habe der Medienkonzern aber seine Vorstellungen einer kommerziellen Musikbörse nicht realisieren können. "Wir haben unser Engagement unter Beweis gestellt und waren bereit, die Shareholder angemessen auszuzahlen, obwohl Napster noch nicht am Markt ist", sagte der Bertelsmann-Sprecher. Der Streit zwischen den Gesellschaftern - allen voran der Risikokapitalgesellschaft Hummer Winblad und John Fanning, dem Onkel des Gründers Shawn Fanning - habe eine Lösung jedoch verhindert.

Bertelsmann einziger Gläubiger

Ein verbessertes Angebot soll es dem Vernehmen nach nicht geben. Beobachtern zufolge spekuliert Bertelsmann jetzt auf ein geordnetes Insolvenzverfahren: Da sich die Gütersloher den Markennamen, sowie die Technologie und die Kundendatei von Napster als Sicherheit für ihre Kredite geben ließen, dürften diese dem einzigen Gläubiger der Tauschbörse am Ende zufallen.

Bertelsmann mit seiner Musiksparte BMG leidet wie die Wettbewerber Universal, Sony oder Warner unter der Absatzflaute. Die Musikindustrie musste 2001 nach Angaben des internationalen Musikverbandes Umsatzeinbußen von rund fünf Prozent auf 38,3 Milliarden Euro hinnehmen. Das Minus ist auch auf die wachsende Zahl von Raubkopien von CDs zurückzuführen.

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