Wirtschaft : Nasdaq will Londoner Börse doch nicht übernehmen

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Frankfurt am Main - Die US-Technologiebörse Nasdaq hat am Donnerstag überraschend ihr Übernahmeangebot für die Londoner Börse (LSE) zurückgezogen. Dadurch rücken die Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Börse und der französisch dominierten Vierländerbörse Euronext wieder in den Mittelpunkt. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse unterstützt die Verhandlungen. Das Gremium habe „die Entscheidung des Vorstands ausdrücklich begrüßt, konkrete Verhandlungen mit Euronext über einen möglichen Zusammenschluss zu führen“, teilte die Börse am Donnerstagabend nach einer Sitzung des Kontrollgremiums mit. Der Aufsichtsrat teile dabei die vom Vorstand formulierten Eckpunkte für einen Zusammenschluss unter Partnern. Eine solche Fusion biete „die beste Chance“ für eine „wahrhaft europäische Börsenorganisation“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Viermetz.

Nach seiner Einschätzung zeichnen sich in den Gesprächen mit Paris erste Annäherungen ab. Er hoffe, dass es in wenigen Wochen mehr Klarheit gebe, sagte Viermetz am Mittwochabend in Frankfurt. Durch die Fusion würde die größte Börse auf dem europäischen Kontinent entstehen. Nach Ansicht von Bankern ist die Fusion ein Muss: „Beide Seiten wissen, dass sie zueinander finden müssen. Ansonsten sind sie Verlierer. Denn die Amerikaner schielen weiter auf London“, sagte ein Manager einer Privatbank.

Die Nasdaq rückte von ihrem Gebot über 2,4 Milliarden Pfund oder 950 Pence je LSE-Aktie ab. Hintergrund: Der LSE-Kurs war getrieben von Spekulationen um ein Gegengebot der New York Stock Exchange (NYSE) auf ein Rekordhoch von 1219 Pence gestiegen. Im Falle einer Übernahmeofferte durch einen Konkurrenten hält sich die Nasdaq jedoch die Hintertür für ein neuerliches Gebot vor.

Die Deutsche Börse teilte am Donnerstag mit, der ehemalige Eurex-Manager Andreas Preuss werde zum 1. April neuer Chef der weltgrößten Terminbörse. Preuss wird damit zugleich Vorstandsmitglied der Deutschen Börse. ben (HB)/ro

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