Nationaler IT-Gipfel : Digitales Lernen lernen

Beim nationalen IT-Gipfel steht die Digitale Bildung im Mittelpunkt. Es bleibt viel zu tun: Schulen sind schlecht ausgestattet, Lehrer verstehen zu wenig von digitalen Medien.

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Moderne Bildung. Deutsche Schulen sollen künftig mehr Tablets zur Verfügung haben.
Moderne Bildung. Deutsche Schulen sollen künftig mehr Tablets zur Verfügung haben.Foto: dpa

Wenn mehr als 1000 Politiker, Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler ab dem heutigen Mittwoch in Saarbrücken zum nationalen IT-Gipfel zusammenkommen, können sie gleich einen kleinen Abstecher zur Universität des Saarlandes machen. Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Hochschulen im Fach Informatik, in der Exzellenzinitiative konnte sie zwei Vorhaben mit diesem Schwerpunkt gewinnen. Für den IT-Gipfel hat sie eine kleine Leistungsshow aufgebaut, wie digitale Medien und Geräte das Lernen verbessern können: Pädagogisch sinnvolle Spiele können Besucher genauso testen wie lernunterstützende Roboter.

Das alles passt zum Schwerpunktthema der Veranstaltung: Lernen und Handeln in der digitalen Welt. Zum zehnten Mal findet der 2006 vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Kongress statt, bei dem wie immer viel Prominenz auftritt – wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Donnerstag spricht. Wie in jedem Jahr dürften Manifeste und Leitlinien verabschiedet werden, die den IT-Standort Deutschland voranbringen sollen.

In nicht wenigen Schulen und Hochschulen hat man indes das Gefühl, dass sich in Sachen Digitalisierung der Bildung seit dem ersten Gipfel nichts Wesentliches getan hat. Immer wieder haben Studien schließlich gezeigt, dass viele Bildungseinrichtungen im internationalen Vergleich bei dem Thema hinterherhinken – was die IT-Ausstattung angeht, aber auch Lehrkonzepte.

Deutsche Bildungseinrichtungen hinken hinterher

So kam bereits im vergangenen Jahr eine Expertengruppe im Rahmen des IT-Gipfels zu dem Schluss, dass an den Hochschulen beim E-Learning seit Ende der 90er Jahre dieselben Technologien „nahezu unverändert eingesetzt“ werden. An Schulen teilen sich hierzulande 11,5 Schüler einen Computer, während es in Norwegen 2,4 sind.

Nun nutzen die schönsten Geräte nichts, wenn sie nicht pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden. An Unterrichtskonzepten mangelt es jedoch, viele Lehrer beklagen, sie würden beim Einsatz digitaler Medien pädagogisch nicht unterstützt, wie eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Studie der Telekom-Stiftung zeigte. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft sind für 62 Prozent der Lehrkräfte die eigenen mangelnden Digitalkompetenzen die größten Hürden für die Umsetzung digitaler Bildung in Schulen. „Technische Infrastruktur allein reicht nichts aus“, erklärte Verbandspräsident Matthias Wahl.

Die Mathematiker fordern "Inhalte statt Geräte"

Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung ging in einer Erklärung noch viel weiter und forderte „Inhalte statt Geräten“. Tablets und soziale Netzwerke verwenden zu können, heiße noch lange nicht, den digitalen Wandel zu meistern. Vollständig digital kompetent sei nur, wer die theoretischen Grundlagen verstehe. Um diese zu vermitteln, sollten digitale Medien aber „nur ergänzend eingesetzt werden“: „Nach Erfahrung der überwältigenden Mehrheit der Mathematikerinnen und Mathematiker weltweit sind Tafel, Papier und das direkte Unterrichtsgespräch meist viel besser geeignet.“ Priorität müsse bleiben, das analytische Denken gezielt zu lehren.

Die Mathematiker halten daher die von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) vorgeschlagenen Digitaloffensive für Schulen für eine „Scheinlösung“: Der Schwerpunkt der Debatte und der Offensive müsse verschoben werden. Wie berichtet, will Wanka bis 2021 fünf Milliarden Euro unter anderem in mehr Laptops und Tablets und den W-Lan-Anschluss von Schulen investieren.

Bisher ist allerdings unklar, woher das Geld kommen soll; im Bundeshaushalt für 2017 ist jedenfalls nichts eingeplant. Wanka will sich die Mittel im Rahmen der nächsten Koalitionsverhandlungen sichern. Spannend dürfte daher sein, ob und wie sich Kanzlerin Merkel zu dem Vorschlag ihrer Ministerin äußert. Das Wirtschaftsministerium wiederum will auf dem Kongress die von Minister Sigmar Gabriel (SPD) bereits vorgeschlagene Initiative zur besseren IT-Ausstattung von Berufsschulen in den Vordergrund rücken.

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