Wirtschaft : Nebenjobs für Bauern gesucht

ALFONS FRESE

Auf den Wiesen und Äckern der Bundesrepublik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge getan.Etwa bei den Kühen.Aus dem statistischen Durchschnittseuter melkten die Bauern im Jahr 1950 rund 2350 Liter Milch, heute sind es doppelt so viel.Der Hektarertrag beim Getreideanbau hat sich in der gleichen Zeit verdreifacht, die Produktivität eines Landwirts ist gar um das Elffache gestiegen.Das alles sind Folgen von Spezialisierung, Intensivierung, veränderten Betriebsgrößen und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Zuchthilfen.Ausgezahlt hat sich die höhere Leistungsfähigkeit für die übriggebliebenen Bauern - deren Zahl sank von 9,7 Millionen auf 520 000 - allerdings kaum.Die Statistik legt sogar das Gegenteil nahe: Heute müssen doppelt soviel Bauern einer Nebentätigkeit nachgehen, um ihr Einkommen aufzubessern als noch vor 50 Jahren.

An dieser Diskrepanz wird das ganze Dilemma der Agrarpolitik deutlich: die höhere Leistungsfähigkeit führt nicht zu höheren Betriebsergebnissen.Den alltäglichen Irrsinn kann jeder im Supermarkt besichtigen: Wenn das Kilo Schweinegulasch für 3,99 DM verscherbelt wird, kann bei Züchtern und Mästern nichts übrigbleiben.Aufwendig produzierte und entsprechend verträgliche Agrargüter sind bei Niedrigstpreisen auch kaum möglich.Das wird sich für die deutschen Bauern auch mit der Agenda 2000 kaum ändern.Auch die Reform der EU-Agrarpolitik fußt vor allem auf finanzpolitischen Motiven.Der verrückte Subventionsdschungel dagegen wird kaum gelichtet.Möglicherweise steckt eine Strategie dahinter: Die Agrarpolitik ist so unübersichtlich, damit niemand das wahre Ausmaß an verschwendeten und fehlgeleiteten Ressourcen bemerkt.

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