Wirtschaft : "Nebenwerte leiden weniger unter steigenden Zinsen" - Invesco-Volkswirt Bernd Rieger im Gespräch

Herr Rieger[steht eine Renaissance der Aktien kle]

"Small Caps oder Large Caps - Was sagen die Daten?" überschreibt die Fondsgesellschaft Invesco eine Studie über die Kursentwicklung und die Gewinnchancen kleiner Aktien. Henrik Mortsiefer fragte den Autor Bernd Rieger, Volkswirt in der Strategie-Abteilung bei Invesco in Frankfurt (Main), warum ausgewählte Small Caps als künftige Börsenfavoriten gelten.

Herr Rieger, steht eine Renaissance der Aktien kleiner Unternehmen bevor?

Es spricht vieles dafür, dass sich die Small Caps in Zukunft besser entwickeln werden als die Aktien großer Unternehmen, zum Beispiel im Dax.

Warum?

Gerade aus der historischen Perspektive wird deutlich, dass kleine Werte die Großen über längere Perioden hinweg schlagen können. So waren etwa in den USA zwischen 1973 und 1983 und zwischen 1990 und 1993 die kleinen Werte klar besser als die Blue Chips. Jetzt stimmt das Umfeld wieder: Die konjunkturelle Erholung in Euroland, der überbewertete amerikanische Aktienmarkt und das anziehende Zinsniveau machen kleine Unternehmen wieder interessant.

Steigende Zinsen als Argument für Small-Cap-Aktien?

Ja, dieses überraschende Ergebnis stand am Ende unserer empirische Betrachtung des Zusammenhangs von Zehn-Jahres-Zins und Smax- beziehungsweise M-Dax-Entwicklung. Danach belasten langfristig steigende Zinsen die Großen stärker als die Kleinen. An der Börse werden Zukunftserwartungen gehandelt. Je höhere Zinsen man erwartet, umso mehr trifft es die Gewinnaussichten der Großen im Vergleich zu den Kleinen. Was heißt das? Betrachtet man unter diesen Annahmen die künftigen Gewinne auf der Basis des heutigen Zinsniveaus, dann lässt sich folgendes zeigen: Langfristig steigende Zinsen führen bei kleinen Unternehmen zu einem relativen Mehrertrag gegenüber den großen Unternehmen. Wer also trotz steigender Zinsen in Aktien investiert bleiben will, kann das Risiko von starken Kursverlusten mit kleineren Werten senken.

Steigende Zinsen verteuern die Kredite für kleine Unternehmen, die sich für ihre Wachstum verschulden müssen. Und trotzdem steigen die Kurse?

Auch große Unternehmen verschulden sich. Hier sind die Unterschiede zwischen großen und kleinen Firmen für den Zusammenhang von Zinsen und Aktien nicht relevant. Der Grad der Verschuldung lässt keine Rückschlüsse auf die Reaktion auf steigende Zinsen zu.

Warum profitieren kleine Werte stärker von der Konjunkturerholung?

Auf Grund ihrer im Durchschnitt stärkeren Orientierung auf den Binnenmarkt. Springt die Konjunktur in Deutschland und in der Eurozone an, hilft das den Mittelständlern vergleichsweise stärker als den Konzernen. Außerdem wird angenommen, dass die US-Konjunktur sich im kommenden Jahr abschwächt. Das trifft die globalisierten Konzerne mehr als die deutschen Mittelständler und ihre Aktien. Zudem werden die deutschen Blue-Chips von einer Kursschwäche der Wall Street, die immer wahrscheinlicher wird, weitaus stärker in Mitleidenschaft gezogen.

Die kleinen Werte sind also Börsen-Favoriten?

Zur Beimischung in ein ausgewogenes Depot sind kleine Werte zurzeit auf jeden Fall ein klarer Kauf.

Welche Branchen bevorzugen Sie?

Nicht alle Smax-Werte lassen sich über einen Kamm scheren, aber ich würde die so genannten Zykliker vorziehen, also zum Beispiel Maschinenbauer. Technologie-Firmen sind aus den genannten Gründen eher zu meiden.

Gilt diese Empfehlung auch für Kleinanleger?

Private Kleinanleger sollten sich entweder für einen Fonds entscheiden oder in kleine Einzelwerte investieren, die sie gut kennen. Wer einen börsennotierten Mittelständler kennt und genau weiß, wie das Unternehmen wirtschaftet, der kann auch seine Aktie kaufen.

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