Wirtschaft : Neckermann geht das Geld aus Versandhändler stellt Insolvenzantrag

Frankfurt am Main - Schon wieder steht ein deutsches Traditionsunternehmen vor dem Aus: Der Versandhändler Neckermann mit bundesweit rund 2400 Arbeitsplätzen hat am Mittwoch den Insolvenzantrag gestellt. Das teilte die Neckermann.de GmbH in Frankfurt mit. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, werde keine weiteren Mittel zur Finanzierung zur Verfügung stellen. „Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann das Unternehmen in seiner bestehenden Form damit nicht fortgeführt werden“, teilte Neckermann mit. Ein Insolvenzantrag sei „unausweichlich“. Eine Sprecherin des Investors sagte, der Restrukturierungsplan hätte zu hohe Investitionen erfordert. Neckermann Reisen ist von der Insolvenz nicht betroffen, der Reiseveranstalter gehört zu Thomas Cook.

„Neckermann macht’s möglich“ – kaum ein Slogan brachte das Lebensgefühl im Wirtschaftswunderland Westdeutschland nach dem Krieg treffender auf den Punkt. Der Kaufmann Josef Neckermann (1912–1992) griff die Bedürfnisse der Konsumenten auf, lange gehörten Neckermann-Kataloge zur Grundausstattung vieler Familien.

Doch mit der immer schnelleren Verbreitung des Internets brach das Kataloggeschäft rapide ein. Weil dadurch die Erfolge aus dem Onlinehandel aufgezehrt wurden, wollte das Unternehmen umsteuern. Ende April verkündete Neckermann.de den kompletten Rückzug aus dem Kataloggeschäft. Gleichzeitig sollten der Eigenhandel mit Textilien sowie das Frankfurter Zentrallager aufgegeben werden. Dem Umbau sollten 1380 Stellen zum Opfer fallen. Nach wochenlangen Verhandlungen einigten sich Management und Gewerkschaft am Mittwoch auf eine Lösung, die einen Sozialplan vorsah. Doch die Hoffnung währte nur kurz: Der Eigentümer halte das Ergebnis nicht für tragfähig und werde keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen, berichteten Unternehmen und Gewerkschaft.

Im April hatte Sun Capital signalisiert, weitere 25 Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren – unter der Voraussetzung, dass alle Beteiligten bei der Sanierung an einem Strang zögen. „Der Plan, der Sun vom Unternehmen vorgelegt wurde, hätte bei rund 60 Millionen Euro gelegen. Das ist der Grund, warum Sun nicht Ja zu diesem Plan sagen kann“, sagte die Sun-Sprecherin am Mittwoch. dpa

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