Wirtschaft : Neckermann heißt jetzt Neckermann.de

Konzernchef Middelhoff will den Versandhandel sanieren und fängt mit einem neuen Namen an

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der Essener Handelskonzern Karstadt-Quelle will mit Hilfe des Online-Geschäfts seinen defizitären Versandhandel wieder in Schwung bringen. Neckermann werde daher ab Anfang 2006 als Neckermann.de firmieren, sagte Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff am Dienstag in Frankfurt. Die zweite Versandtochter Quelle bleibe zwar weiterhin auch im Internet präsent, solle sich aber auf den klassischen Versandhandel konzentrieren und vor allem das Geschäft in Mittel- und Osteuropa vorantreiben. Die Umbenennung Neckermanns ist Teil eines umfangreichen Sanierungsprogramms der gesamten Versandhandelssparte, das bis 2008 abgeschlossen sein soll.

So will Middelhoff die Verwaltungs- und Organisationsbereiche von Neckermann und Quelle zusammenfassen. Was das für die 26400 Beschäftigten im Versandhandel und die Standorte Frankfurt, Fürth sowie Leipzig bedeutet, ließ er offen. Die Gespräche mit den Arbeitnehmer-Vertretern seien noch nicht abgeschlossen. Fest steht allerdings schon jetzt, dass die Kosten um 20 Prozent pro Jahr sinken müssen, wenn der Versandhandel 2008 wieder schwarze Zahlen schreiben will. Im dritten Quartal verbuchte die Sparte einen Umsatzrückgang von 8,6 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

Middelhoff sieht vor allem im Online-Geschäft die Chance, den Versandhandel wieder profitabel zu machen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist der Online-Umsatz bei Neckermann um 31 Prozent gewachsen, 2004 hatte es ein Plus von 25 Prozent auf 450 Millionen Euro gegeben. Insgesamt hatte Neckermann im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Euro umgesetzt, Quelle kam auf rund vier Milliarden Euro. Derzeit entfällt knapp ein Drittel des Versand-Umsatzes bei Karstadt-Quelle auf das Internet. Diesen Anteil will Middelhoff bereits im kommenden Jahr auf 55 bis 60 Prozent steigern. „Unser Wachstum wird eindeutig durch das Internet getrieben, nicht durch den klassischen Versandhandel“, sagte er. Bereits heute würde die Hälfte der neuen Kunden über das Internet gewonnen.

Zusätzlich baut Karstadt-Quelle künftig auch auf das Fernsehen als Vertriebskanal. Bereits seit Ende Oktober wird „neckermann.tv“ übertragen, allerdings nur übers Internet. Dort präsentiert Thomas Gottschalk derzeit eine siebenteilige Online-Show. Das reicht Middelhoff aber nicht: Angesichts der Erfolge von TV-Shopping-Kanälen will er seine Kunden künftig auch via TV erreichen. Karstadt-Quelle hatte sich erst 2003 von seiner Minderheitsbeteiligung an einem Shopping-Sender getrennt. „Das war sicher nicht unser letztes Wort“, sagte der Konzernchef.

Das Sortiment im Versandhandel wird schon jetzt kräftig ausgedünnt und damit, so Middelhoff, attraktiver. Rund 30 Prozent der Artikel fallen bei Neckermann und Quelle weg. Damit werden bei Neckermann künftig nicht mehr 100000, sondern nur noch rund 70000 Artikel angeboten.

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