Wirtschaft : Nehmt den Fluglinien die Bowle weg

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Meine Erfahrung mit Sabena lässt sich locker in zwei Worten zusammenfassen: Nie wieder. Was jahrelang der Standardwitz geplagter Passagiere über die belgische Fluglinie war, kann jetzt auch über den jüngsten Versuch gesagt werden, sie vor dem Konkurs zu retten. Mit jeder staatlichen Beihilfe schwört die belgische Regierung, das sei das letzte Mal gewesen - bis zu dem Moment, wo die nächste Finanzspritze für die Fluglinie fällig wird. So ist es auch diesmal. Die Regierung hat 125 Millionen Euro angeboten, um die Fluggesellschaft über Wasser zu halten. Währenddessen bemüht sich Sabena, ein Konzept zu finden, das sich rechnet. Aber das hatten wir schon einmal. Das Dumme ist, dass man es niemandem verübeln kann, wenn er nicht mehr daran glauben mag, dass dies die endgültige finanzielle Sanierung für die belgische Chaotenairline sein soll.

Dennoch hat die für Verkehrsfragen zuständige spanische EU-Kommissarin Loyola de Palacio del Valle Lersundi in der vergangenen Woche die Beihilfe als Notstandsmaßnahme gebilligt. Und es dauerte nicht einmal eine Woche, und auch die italienische Alitalia und die irische Aer Lingus eilten zum Trog. Andere Fluggesellschaften werden wohl folgen, wenn nicht endlich einer auf die Bremse tritt. Nach jahrelanger Misswirtschaft bleibt der Kommission und den Regierungen der Mitgliedstaaten nur eine Möglichkeit: Sie müssen den Unternehmen zeigen, dass die Party vorbei ist und ihnen die Bowle wegnehmen. Und zwar nicht erst beim "nächsten Mal", sondern jetzt. Sofort.

Staatliche Beihilfen sind keine Lösung; die Umstrukturierung der Wirtschaft schon. Wenn Belgien eine nationale Fluglinie nicht unterhalten kann, dann sollte Sabena - einschließlich seiner Start- und Landerechte - an eine europäische oder amerikanische Fluggesellschaft verkauft werden, die sie erfolgreicher betreiben kann. Solange der europäische Flugreisen-Markt balkanisiert bleibt, sind die Fluggesellschaften, das ist so gut wie sicher, zu dauernder Unrentabilität verurteilt. Die Kommission sollte die Gelegenheit nutzen, die Wirtschaft davon zu unterrichten, dass sie, wenn die nationalen Fluggesellschaften weiterhin unprofitabel arbeiten, keine kartellrechtlichen Einwände gegen deren Übernahme durch andere Fluggesellschaften haben wird. Europas Fluglinien, die einen kleinen Kostenapparat haben, so wie Ryanair oder EasyJet, sind der lebende Beweis dafür, dass selbst europäische Fluggesellschaften rentabel sein können. Ryanair konkurriert auf zahlreichen Strecken erfolgreich mit Sabena, obwohl es auf vielen seiner Flügen ungünstig gelegene regionale Flughäfen anfliegen muss, zum Beispiel den abgelegenen Flughafen Charleroi anstelle Zaventem vor den Toren Brüssels. Und warum? Weil der die Festung von Sabena ist. Die Kommission wird den Teufelskreis von Verlusten und staatlichen Beihilfen nur beenden können, wenn sie Sabena, seinen Gewerkschaften und seinen Betreibern, unmissverständlich klar macht, dass "nie wieder" jetzt beginnt. Solange sie das nicht tut, muss sie damit rechnen, dass es immer weitergeht.

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