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Nervöse Anleger : Dax in Turbulenzen

Krieg, Krisen und Konjunktur treiben Anleger aus Aktien. Der Dax hat in zehn Tagen zeitweise fast 1000 Punkte verloren. Die Zeichen einer Erholung sind trügerisch.

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Nerven behalten. Die Stimmung an der Frankfurter Börse ist gekippt.
Nerven behalten. Die Stimmung an der Frankfurter Börse ist gekippt.Foto: picture alliance / dpa

Der Dax hat sich zum Wochenschluss stabilisiert. Am Freitag stieg er zunächst um mehr als ein Prozent auf zuletzt rund 8680 Punkte. Wegen des kleinen Verfalls an den Terminmärkten rechnen Börsianer im Tagesverlauf allerdings mit größeren Kursausschlägen. Im Blickpunkt stehen zudem die Quartalsergebnisse des Siemens -Rivalen General Electric (GE) und der US-Großbank Morgan Stanley. Am Donnerstag hatte die Hoffnung auf frische Geldspritzen der US-Notenbank Fed die Talfahrt des deutschen Leitindex vorerst beendet - er schloss 0,1 Prozent höher bei 8582 Zählern. An der Wall Street war der Dow-Jones-Index knapp 0,2 Prozent schwächer aus dem Handel gegangen. Der S&P-500 trat auf der Stelle, der Nasdaq-Composite legte minimal auf 4217 Stellen zu. In Asien ging es am Freitag bergab: Der Nikkei-Index in Japan verlor ein Prozent, der Shanghai-Composite 0,9 Prozent.

Dax rutscht zeitweise unter 8400 Punkte

Schwere Turbulenzen hatten die deutsche Börse am Donnerstag im Tagesverlauf auf Achterbahnfahrt geschickt: Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor bis zu zwei Prozent und rutschte vorübergehend unter die Marke von 8400 Punkten. Damit hatte er binnen zehn Tagen 1000 Punkte verloren. Ukraine- und Syrien-Krise, Ebola und die Sorge vor einer neuen Wirtschaftskrise in Europa haben die Stimmung an den Märkten weltweit gedreht. Die bisher durchwachsenen Quartalszahlen der Unternehmen gaben vielen Aktienanlegern den Rest. Am Donnerstag stützten zwar im Handelsverlauf unerwartet positive Ergebnisse der US-Investmentbank Goldman Sachs die Stimmung. Der Trend bleibt aber negativ. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf deutsche Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen.

Positive Nachrichten werden ausgeblendet

Wurden vor wenigen Wochen negative Nachrichten am Aktienmarkt ausgeblendet, sind es mittlerweile die positiven, die von vielen Marktteilnehmern ignoriert werden. So verloren zum Beispiel die Aktien von Goldman Sachs trotz eines überraschend hohen Gewinns zuletzt mehr als drei Prozent. Die Begründung: Händler befürchteten, dass sich das Geschäft der Investmentbank wegen der jüngsten Marktturbulenzen bald wieder verschlechtern könnte. Dabei lief es im dritten Quartal hervorragend. Goldman schaffte trotz steigender Personalkosten einen Gewinnsprung von 50 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. Ergebnistreiber war ein florierender Anleihehandel. Für die Investmentbank war es das stärkste dritte Quartal seit 2009, als die Weltwirtschaftskrise die Märkte nach unten gerissen hatte. Auch die mit hohen Erwartungen expandierende Online-Videothek Netflix wurde am Donnerstag von der Börse fallen gelassen. Weil die Zahl der Kunden langsamer als erwartet wächst, brach die Aktie um fast ein Viertel ein.

Hoffnungen richten sich auf die US-Konjunktur

Hintergrund des Optimismus am Freitag sind zum einen die Hoffnungen, dass das Anleihekaufprogramm der US-Notenbank fortgesetzt werden könnte. Ursprünglich sollte die milliardenschwere Konjunkturhilfe im Oktober auslaufen. Zum anderen war die US-Industrieproduktion im September deutlicher als erwartet gestiegen und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren auf den tiefsten Stand seit mehr als 14 Jahren gesunken. Dies sollte die jüngsten Konjunktursorgen mildern und sei ein „hilfreicher Hinweis, dass der Himmel uns nicht auf den Kopf fällt“, schrieb Ökonom Paul Ashworth von Capital Economics. Mit Blick auf am Nachmittag anstehende US-Konjunkturdaten rechnet Analyst Dirk Gojny damit, dass die Aktivität auf dem Immobilienmarkt zugenommen hat und auch die Stimmung der US-Konsumenten „weiterhin sehr gut“ sein sollte.

Autowerte sind Gewinner

In dem freundlichen Gesamtmarkt gab es nur wenige Verlierer. Unter ihnen befanden sich die Aktien von Adidas. Ein Analyst hatte sich negativ zu dem deutschen Sportartikel-Konzern geäußert mit Verweis aufs Russland-Geschäft. Autowerte profitierten davon, dass die Europäer mehr Autos kaufen. In der Europäischen Union wurden laut dem Branchenverband ACEA im September gut 1,2 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen und damit 6,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Absatz stieg den 13. Monat in Folge. Eine vierte Verlustwoche in Folge dürfte dem Dax dennoch kaum erspart bleiben, sein bisheriges Wochenminus beläuft sich auf 1,5 Prozent.
Seit vier Wochen geht es an den Börsen mit kleinen Unterbrechungen bergab. mit dpa, rtr

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