Wirtschaft : Nestlé und Häagen-Dazs kooperieren in den USA

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Verlobung in der Tiefkühltruhe: Nestlé und Häagen Dazs halten in den USA bald Händchen. Die US-Tochter des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé und Pillsbury, der amerikanische Hersteller von Häagen-Dazs-Eis, wollen das Gemeinschaftsunternehmen "Ice-Cream Partners USA" gründen. Wie Nestlé am Donnerstag am Konzernsitz in Vevey berichtete, werden die Pillsbury Company (Minneapolis) und Nestlé an dem Joint Venture zu je 50 Prozent beteiligt sein. Es soll zwei Speiseeiswerke von Nestlé sowie eine Häagen-Dazs-Fabrik in den USA umfassen.

Die beiden Unternehmen wollen mit dem Joint Venture ihre Position im stark zersplitterten Markt für Speiseeis in den USA verbessern. Auf dem größten Eiskrem-Markt der Welt tummelten sich viele Anbieter, die nur regional verankert seien oder nur eine geringe Produktvielfalt anböten, sagt François Perroud, Sprecher der Nestlé-Gruppe, dem Tagesspiegel. Mit ihren Produkten ergänzten sich Nestlé und Häagen-Dazs gegenseitig: Während Nestlé seine Stärken bei Eis am Stiel und Waffeleis habe, sei Häagen-Dazs bei den Haushaltspackungen gut im Geschäft. Der addierte Umsatz der beiden Unternehmen in den USA belief sich 1998 nach Nestlé-Angaben auf rund 600 Mill. Dollar. Der US-Markt hat einen Anteil von 44 Prozent am Weltmarkt. Für das Jahr 1998 schätzte das Londoner Marktforschungsinstitut Euromonitor den weltweiten Eisverkauf auf rund 51 Mrd. Dollar. Weltweit steht Nestlé der Studie zufolge auf Platz zwei, Häagen Dasz auf Platz vier. Unbestrittener Weltmarktführer ist demnach der niederländisch-britische Konzern Unilever, zu dem auch Langnese-Iglo gehört: Er hat einen Marktanteil von rund 20 Prozent, mehr als drei mal so viel wie Nestlé. Auf Platz drei der Eis-Weltmeisterschaft steht die US-Eiskrem-Kette Baskin Robbins.

Die Joint-Venture-Vereinbarung betreffe ausschließlich das US-Geschäft, sagte Perroud, wobei die Häagen-Dasz-Ladenkette in den USA nicht betroffen sei. Eine Ausweitung der Zusammenarbeit auf Deutschland und Europa sei nicht geplant: "Zur Zeit gibt es keine Auswirkungen auf andere Märkte." Wobei: "Im Business-Leben darf man nie Nie sagen", orakelt er, "es bleibt jedem frei, darüber nachzudenken, ob das auch in anderen Regionen Sinn macht."

In Deutschland tritt Nestlé mit der Marke Motta auf. Nach Unternehmensangaben hat Motta fünf Prozent Marktanteil, Häagen Dazs gibt drei Prozent an. Die Großen der Branche kommen auf andere Zahlen: Schöller, hinter Langnese-Iglo an zweiter Stelle, hat mit ihrer Lizenzmarke Mövenpick einen Marktanteil von 34 Prozent. Insgesamt setzten die im Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie organisierten Eisproduzenten 1998 rund 4,1 Mrd. DM um.

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