Netzgiganten : Zwei gegen einen

Microsoft und Yahoo attackieren Google mit einer gemeinsamen Internetsuche.

Rita Neubauer/Adrian Pickshaus
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Bündnis gegen Google: Yahoo nutzt für die Suche bald die Technik von Bing. -Foto: dpa

Sunnyvale/Redmond/Berlin - Microsoft-Chef Steve Ballmer sagt, er sei aufgeregt. Yahoo-Chefin Carol Bartz sieht vor sich die Grundlage für eine neue Ära der Innovationen. Mit großen Worten haben der Software-Riese und der Internet-Konzern am Mittwoch eine breit angelegte Kooperation bei der Internetsuche bekannt gegeben. Damit wollen sie den ewigen Marktführer Google attackieren.

Den Plänen zufolge will Yahoo die erst im Juni gestartete Microsoft-Suchmaschine Bing in seine Webseite einbauen. Microsoft darf im Gegenzug die Such-Technologie von Yahoo in Bing integrieren. Gleichzeitig wird Yahoo für beide Partner einen wesentlichen Teil der Werbevermarktung übernehmen. Die daraus resultierenden Einnahmen teilen sich die Unternehmen. Die Vereinbarung gilt zunächst für zehn Jahre, Anfang 2010 soll es losgehen. Bis das neue Angebot weltweit verfügbar sein wird, könnten weitere 24 Monate vergehen, sagte Bartz.

Yahoo und Microsoft wollen im lukrativen Werbegeschäft der Suchmaschinen zu Google aufschließen. Google machte im zweiten Quartal durch den Verkauf von Online-Anzeigen, die neben themenverwandten Suchergebnissen geschaltet werden, 3,65 Milliarden Dollar Umsatz. Auf den kalifornischen Konzern entfielen im Juni laut den Marktforschern von Com-Score in den USA rund 65 Prozent aller Suchanfragen. Yahoo kommt mit knapp 20 Prozent auf Platz zwei, Neustarter Bing belegt mit 8,4 Prozent Platz drei. Nach Expertenansicht könnte eine gemeinsame Suche zu einem ernstzunehmenden Google-Konkurrenten werden. Anzeigenkunden bekämen eine Alternative zur Online-Vermarktung durch Google. Folglich hat das Bündnis große Chancen, die Umsetzung aber dürfte ein Kraftakt werden. Denn sie verlangt eine Umstrukturierung und Zusammenlegung einer ganzen Reihe von Marketing- und Verkaufsabteilungen beider Unternehmen. Ob dabei Führungspositionen überflüssig und Arbeitsplätze wegfallen werden, dazu sagten die beiden Konzernchefs am Mittwoch nichts.

Die amerikanische Wettbewerbsbehörde muss der Abmachung noch zustimmen. Um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen, betonten beide Unternehmen nur bei der Internet-Suche kooperieren zu wollen. Bei anderen Produkten und Geschäftszweigen wie E-Mail-Diensten und Bannerwerbung werde man weiterhin intensiv miteinander konkurrieren. Yahoo bekommt durch das Vorhaben eine langfristige Perspektive. Der angeschlagene Konzern hat zwar einen größeren Anteil bei den Suchanfragen als Microsoft, doch hätte er dauerhaft gegen Google und den Redmonder Softwarekonzern wohl keine Chance. Microsoft wiederum setzte zu spät aufs Suchmaschinengeschäft, um Google alleine gefährlich zu werden.

Der Deal beendet auch den langatmigen Kampf um Yahoo. Denn schon vor anderthalb Jahren wollte Microsoft den Mitbewerber komplett übernehmen. Doch der damalige Yahoo-Chef Jerry Yang lehnte den Preis von über 40 Milliarden Dollar als zu niedrig ab. Das kostete Yang seinen Posten, Carol Bartz übernahm im Februar dieses Jahres das Ruder. Jetzt brachte sie den Deal unter Dach und Fach – und spült neues Geld in die Kasse: Von den Werbeumsätzen erhält Yahoo in den ersten fünf Jahren der Kooperation 88 Prozent. Gleichzeitig garantiert Microsoft dem Partner für die ersten 18 Monate weitere Einnahmen in nicht bezifferter Höhe. Yahoo hofft dadurch, den operativen Gewinn um 500 Millionen Dollar zu verbessern und weitere 200 Millionen Dollar einzusparen. Rita Neubauer/Adrian Pickshaus

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