Netzstörung : Telekom hatte kein Notfallsystem

Ein Fehler in der Software sorgt bei der Telekom für den deutschlandweit größten Ausfall in einem Mobilfunknetz. Das macht deutlich, wie abhängig moderne Gesellschaften inzwischen von Technik sind. Dem Bonner Konzern war das offenbar nicht so klar.

Simon Frost
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Von der bundesweiten Störung waren auch Hunderttausende T-Mobile- Kunden in Berlin und Brandenburg betroffen. -Foto: dpa

BerlinEinen solch ruhigen Nachmittag und Abend wie am Dienstag dürften T-Mobile-Kunden noch selten erlebt haben: Kein lästiges Handyklingeln, keine nervigen SMS. Für manchen mag das ein angenehmes Gefühl gewesen sein. Die Mehrzahl der Kunden dürfte jedoch über den kompletten Netzausfall bei ihrem Mobilfunkanbieter ebenso wenig erfreut gewesen sein, wie diejenigen, die dringend jemanden im Mobilfunknetz der Deutschen Telekom erreichen mussten.

Zu Störungen im Mobilfunk- oder auch im Festnetz kommt es immer wieder. Meist sind diese aber regional begrenzt. Ein Netzausfall mit solchen Ausmaßen wie am Dienstag ist in Deutschland bislang einmalig. T-Mobile ist mit knapp 40 Millionen Kunden hierzulande Marktführer. Wie viele von ihnen genau betroffen waren, kann die Telekom nicht beziffern.

Wer sich allerdings die Ursache des Blackouts anschaut, kann zu dem Schluss gelangen, dass es tatsächlich alle Nutzer waren. Denn nach Angaben des Bonner Konzerns fielen alle drei Server aus, die für die Zuordnung der Rufnummern zu den Handys zuständig sind, weil die Software fehlerhaft gewesen sei. Mehr Server, die diese Aufgabe erledigen, gibt es nicht bei T-Mobile, wie ein Unternehmenssprecher im Gespräch mit tagesspiegel.de bestätigt.

Telekom hat keinen Plan B

In Zeiten der totalen Vernetzung und der mobilen Kommunikation kommt es einer Katastrophe schon nahe, wenn knapp 40 Millionen Telefonanschlüsse nicht mehr erreichbar sind – auch wenn es sich ja "nur um ein paar Stunden" gehandelt habe, wie der Sprecher betont. Immerhin betraf der Ausfall etwa 40 Prozent der in Deutschland registrierten Mobilfunkanschlüsse.

Angesichts des Ausmaßes müsste die Telekom für einen solchen Fall einen Plan B haben, ein Notfallsystem – hat sie aber nicht. "Die Server an sich sind schon das Notfallsystem", sagt der Sprecher. "Sie sind eigentlich so aufgebaut, dass ein solcher Ausfall gar nicht möglich ist."

"So etwas kann nicht wieder passieren"

Eine Erklärung dafür, wie doch sein konnte, was nicht sein durfte, hat die Telekom nicht. Sie schiebt die Verantwortung der Firma zu, die die angeblich fehlerhafte Software entwickelt hat. "Der externe Software-Entwickler muss nun feststellen, wo genau das Problem aufgetreten ist", sagt der Sprecher. Das kann wohl einige Tage oder auch länger dauern.

Was aber geschieht in der Zwischenzeit? Kann es jederzeit wieder zu einem solchen Ausfall kommen, solange die Ursache nichts zweifelsfrei geklärt ist? Die Telekom wiegelt ab. Das System laufe seit dem Hochfahren am Vorabend fehlerfrei. "So etwas wie am Dienstag kann nicht wieder passieren", sagt der Sprecher.

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