Netzwerk : Bewertungsportal Yelp kommt nach Berlin

Ein Tagebuch für Konsumenten: Das soziale Bewertungsnetzwerk Yelp ist am Donnerstag in Deutschland an den Start gegangen. Internetnutzer können zu Restaurants, Geschäften und Ärzten in ihrer Umgebung ausführliche Bewertungen abgeben.

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Berlin - Wo finde ich eine Werkstatt, die mein altes Auto repariert, ohne dass ich dabei arm werde? Welcher Friseur macht die schönsten Schnitte? Wo gibt es das leckerste Eis im Kiez? Für hilfreiche Tipps zu den besten Geschäften, Restaurants und Handwerkern in der Umgebung ist man künftig nicht allein auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten angewiesen. Am heutigen Donnerstag geht Yelp in Deutschland online. Yelp ist ein Suchdienst für lokale Firmen, bei dem die Mitglieder die Anbieter bewerten.

Yelp wurde im Juli 2004 in San Francisco gegründet. In den USA greifen monatlich bereits mehr als 33 Millionen Nutzer auf den Dienst zu, mehr als elf Millionen Bewertungen in 40 Städten sind online. Im Mai startete Yelp nach Großbritannien und Irland in Frankreich eine erste Seite außerhalb des englischen Sprachraums - nun ist Deutschland dran. Hier gibt es allerdings bereits ähnliche Empfehlungsportale, wie etwa Qype.

Yelp biete aber nicht nur einfach Bewertungen wie: Das war das schlechteste Lokal oder der beste Zahnarzt, bei dem ich jemals war, sagt Yelp-Geschäftsführer Geoff Donaker im Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Die Menschen nutzen Yelp wie ein Tagebuch. Sie schreiben auf, was sie die ganze Zeit über machen. Die Bewertungen sind mit sehr persönlichen Details angereichert." Die Website sei für viele Menschen ein täglicher Begleiter durch den Alltag. "Es macht einfach Spaß, sie zu benutzen", sagt Donaker.

Der Service ist für die Nutzer kostenlos. Auch Firmeninhaber oder Gastronomen können sich kostenlos anmelden, um Informationen oder Bilder zu ihrem Angebot einzustellen oder mit den Nutzern in Kontakt zu kommen. Werbeanzeigen sind dagegen kostenpflichtig. Über diese Werbeanzeigen finanziert sich Yelp. Um die Qualität der Bewertungen hoch zu halten und zu verhindern, dass jemand sein eigenes Angebot oder das von Bekannten und Verwandten besonders hochjubelt, setzt Yelp eine spezielle Software ein. "Alle elf Millionen Bewertungen gehen durch unseren Filter", sagt Donaker. "Wir sind die Einzigen, die das machen. Wir legen unseren Fokus auf Qualität, nicht auf Quantität." Im Zweifel gehe eine dubiose Bewertung nicht online.

Wie viel Umsatz das Unternehmen mit 450 Mitarbeitern macht, verrät das Management nicht. Im vergangenen Jahr habe Yelp die Gewinnschwelle überschritten, sagt Donaker. Derzeit sei man aber wegen der Expansion ins Ausland nicht profitabel. An Kapital mangelt es offenbar trotzdem nicht. Zuletzt hat sich Anfang des Jahres der US-Finanzinvestor Elevation Partners, der zum Teil Bono, dem Sänger der Rockband U2, gehört, mit 95 Millionen Dollar an Yelp beteiligt. "Wir haben das Glück, dass unsere Investoren ein langfristiges Interesse an dem Unternehmen haben", sagt Donaker. Ende 2009 hatte es Gerüchte gegeben, Google wolle Yelp für 500 Millionen Dollar kaufen. Doch das sei den damaligen Yelp-Investoren zu wenig gewesen, hieß es später. Donaker will das nicht kommentieren. "Unser Ziel ist es, selbstständig zu bleiben", sagt er nur.

Auch bei der Expansion in Deutschland lässt das Unternehmen sich Zeit. Zunächst startet Yelp in Berlin und München - mit einer Mitarbeiterin. Die 31- jährige Tanja Bempreiksz soll den Aufbau der Community managen, Veranstaltungen organisieren und den Kontakt zu lokalen Geschäftsleuten knüpfen. Andere deutsche Städte sollen später im Jahr folgen. Die Basisdaten wie die Adressen von Geschäften und Lokalen hat Yelp bei dem Adressdatenhändler Infobel erworben. Zusätzlich sind in den vergangenen Monaten 25 Scouts durch die Stadt gezogen, um erste Bewertungen zu einigen Angeboten abzugeben. "Im ersten Jahr wird es auf unserer deutschen Seite keine Werbung geben", sagt Donaker. So lange werden auch keine Einnahmen fließen. Andererseits wird es auch keine teure Marketingkampagne geben. Yelp setzt vor allem auf Mund-zu- Mund-Propaganda.

Wachsen will das Unternehmen durch die weitere Expansion in Westeuropa und mobile Anwendungen. Wer Yelp auf seinem Smartphone nutzt und mit der Handykamera die Umgebung absucht, auf dessen Bildschirm leuchten dann die Informationen zu nahe gelegenen Lokalen und Firmen auf, die von Nutzern bewertet wurden.

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