Wirtschaft : Neu ist bei der Bahn nicht immer besser

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Die Bahn bekommt ihren Betrieb auf der rund sechs Milliarden Euro teuren Schnellfahrstrecke von Köln nach Frankfurt nicht in Schwung. Der Grund: Bei den 300 Stundenkilometer schnellen ICEZügen der dritten Generation häufen sich die technischen Pannen. Nahezu täglich fallen Züge aus, Reserve-Einheiten für Verkehrsspitzen stehen nicht zur Verfügung.

An manchen Tagen würden in den rund 50 ICE 3-Zügen bis zu 700 Störungen registriert. Diese seien teilweise so schwer wiegend, dass „die Züge eigentlich nicht mehr auf die Strecke gehen sollten“, sagte Rainer Schmidberger dem Handelsblatt. Er ist Chef der zum Bahnkonzern gehörenden „DB Systemtechnik“, die über die Inbetriebnahme neuer Fahrzeuge und Strecken wacht. Die Industrie – federführend bei dem modernsten ICE-Typ ist Siemens Transportationn – versuche zwar fieberhaft, die Fehler zu beseitigen, doch sie komme kaum nach. Viele Probleme habe sie nicht im Griff. Speziell im Elektronikbereich sei es schon so gewesen, dass auf die Beseitigung einer Störung eine neue folge.

Zum Teil sei es „völlig offen, woher die Fehler kommen“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, Michael Clausecker. Schließlich unterscheide sich der ICE technologisch grundlegend von seinen Vorgängern. Ein Siemens-Sprecher sagte, die Situation sei „nicht zu beschönigen“. Aber nicht alles sei auf die Technik zurückzuführen. Ein Teil der Züge werde in den neu eingerichteten Bahn-Werken in Dortmund und Frankfurt gewartet. Dort seien die Mannschaften „noch nicht so eingespielt“.

Nicht nur im Fernverkehr, sondern auch im Nahverkehr gibt es Probleme – dort mit Regionaltriebwagen. Viele Fahrzeuge fallen aus, weil neue Technik noch nicht richtig funktioniert. Im vergangenen Jahr waren zeitweise 30 Prozent aller Fahrzeuge außer Gefecht gesetzt. Probleme gibt es auch bei modernen elektronischen Stellwerken. ek/HB

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