Wirtschaft : Neue Airlines-Allianz geht an den Start

LONDON/BERLIN (tor/HB/Tsp)."Wir haben der Star Alliance heute einen Standard vorgegeben, den sie erst einmal erreichen muß." Mit diesen selbstbewußten Worten läutete Kenvin Benson, Chef der Fluggesellschaft Canadian Airlines, eine neue Runde im Wettbewerb der Giganten am Himmel ein.Die Kanadier bilden zusammen mit American Airlines (AA), British Airways (BA), Cathay Pacific (Hongkong) und der australischen Qantas die neue Luftfahrt-Allianz "One World", die in direkter Konkurrenz zur Star Alliance steht, die von Lufthansa und United Airlines angeführt wird.

"Der Druck des weltweiten Wettbewerbs hat uns zusammengebracht", räumte BA-Chef Bob Ayling ein.Um das Nachziehen gegenüber Star Alliance nicht noch offensichtlicher zu machen, war die neue Fünfer-Gruppe bei ihrer Vorstellung in London sehr darum bemüht, sich von den Konkurrenten abzusetzen.Die Chefs der beteiligten Gesellschaften präsentierten sich in einer Art Talkshow als verschworene Gemeinschaft, der es allein darum geht, den Menschen das Reisen um den Globus zu erleichtern.

Läßt man die Werbesprüche beiseite, bleibt die Tatsache, daß die Gruppe um Lufthansa und United einen harten Konkurrenten bekommen wird.One World will ab Februar 1999 allen seinen Passagieren einen möglichst nahtlosen Übergang auf seinem weltweiten Streckennetz verschaffen.Das beinhaltet auch Code-Sharing-Vereinbarungen, geht jedoch nach den Worten von AA-Chef Don Carty weit über die Benutzung gemeinsamer Flugnummern hinaus.So sollen One-World-Passagiere rund um den Globus von Mitarbeitern der Partnergesellschaften betreut werden.Airport Lounges werden gemeinsam genutzt, Vielfliegerprogramme miteinander verzahnt.Eine gemeinsame Schulung der Mitarbeiter soll die Einhaltung der Qualitätsstandards sicherstellen.Über eine Kooperation im Frachtgeschäft wird ebenfalls nachgedacht.Und: Auch die Tochtergesellschaften - wie Deutsche BA - werden in den Verbund einbezogen.Die Partner wollen "mehrere Millionen Dollar" in One World investieren.

Die eigentliche Überraschung ist, daß es gelungen ist, Cathay Pacific mit an Bord zu nehmen.Cathay hatte zwischenzeitlich auch mit der Star Alliance verhandelt."Wir haben uns für One World entschieden, weil es hier weniger Überlappungen mit den Partnern gibt", begründete Cathay-Chef David Turnbull die Entscheidung.Ayling betonte, daß die Allianz für weitere Partner offenstehe.Er nannte allen voran die spanische Iberia und die Finnair.Auch Japan Airlines hätten die fünf gerne dabei.Die chinesische Dragon Air möchte ebenfalls dazustoßen, muß allerdings erst die Standards von One World erfüllen.

Bereits jetzt haben die fünf Partner einiges vorzuweisen: Sie bedienen zusammen 632 Ziele in 138 Ländern und haben im vergangenen Jahr 174 Millionen Fluggäste befördert.Die Star Alliance kam nach eigenen Angaben auf 650 Ziele in 108 Ländern und beförderte 185 Millionen Passagiere.Eine Lufhansa-Sprecherin sagte, man fühle sich von dem neuen Bündnis nicht bedroht.Der Zeitvorsprung - die Star Alliance startete 1997 - verschafften ihr einen deutlichen Vorteil.Die Börse war skeptischer: Die Lufthansa-Notierung ging nach unten.

Offen ist auch noch die Reaktion der Wettbewerbshüter.EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert sagte in Berlin, daß seine Behörde das Projekt der Fluggesellschaften "sehr kritisch prüfen werde".Es stelle sich ganz generell die Frage, "ob das nicht alles schon viel zu weit geht".Die Kommission hatte erst im Juli die geplanten Allianzen der Fluggesellschaften nur unter der Auflage gebilligt, daß die Airlines zahlreiche Start- und Landerechte vor allem auf den Transatlantik-Routen aufgeben.

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