Wirtschaft : Neue Allianz für EADS

Immer mehr Finanzdienstler wollen mitmachen

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Berlin - Die Verhandlungen über den Einstieg eines deutschen Bankenkonsortiums beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gehen offenbar in die Schlussphase. Die Gespräche zwischen der Bundesregierung, Daimler-Chrysler und den Investoren befänden sich schon in einer „sehr entwickelten Phase“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin.

Die Interessenten würden bereits Vertragsdetails besprechen. Nähere Angaben wollte Steg nicht machen. „Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Tagen, Wochen zu einem guten und befriedigenden Ergebnis kommen werden.“

Das Konsortium aus staatlichen sowie privaten Investoren soll das unternehmerische Risiko für den 7,5-Prozent-Anteil an EADS übernehmen, den Daimler-Chrysler verkaufen will. Obwohl der Autokonzern seine Beteiligung an EADS herunterfahren will, soll er unverändert die aktuellen Stimmrechte von 22,5 Prozent ausüben. Die Bundesregierung will mit dem Einstieg des Konsortiums das deutsch-französische Machtverhältnis beim Airbus-Mutterkonzern wahren. Der französische Staat hält zusammen mit dem Pariser Lagardère-Konzern 22,5 Prozent. Das Pendant auf deutscher Seite bildet Daimler-Chrysler.

Der Versicherungskonzern Allianz will sich unter Umständen an der finanziellen Lösung für die zum Verkauf stehenden 7,5 Prozent beteiligen. „Sofern eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für EADS gefunden wird, können wir uns ein Engagement vorstellen“, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann der „Financial Times Deutschland“. Unter Berufung auf Allianz-Kreise berichtet das Blatt, dass auch die Finanzaufsicht Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) eingebunden sei. Dabei gehe es darum, ob eine solche Beteiligung mit Versichertengeldern eingegangen werden kann.

Damit würde sich der Kreis der Institute vergrößern, die den Kauf des Pakets von Daimler-Chrysler finanzieren sollen. Bisher war von einer Kerngruppe aus Deutscher Bank, Commerzbank, Goldman Sachs und der staatlichen KfW-Bankengruppe die Rede gewesen, die nach weiteren Investoren sucht. Medienberichten zufolge sollen auch die BayernLB (Bayerische Landesbank), die öffentlich-rechtlichen Banken in Baden-Württemberg – die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) und die L-Bank (Staatsbank für Baden-Württemberg) – sowie das Land Hamburg signalisiert haben, bei der EADS-Beteiligung mitmachen zu wollen. Die HSH Nordbank gehört angeblich nicht dazu, obwohl auch in ihrer Region bedeutende EADS-Standorte liegen. Ein Bankenkenner begründete dies mit deren geplantem Börsengang.

Bisher ist vorgesehen, dass sich die privaten Finanzinstitute stärker als die öffentlich-rechtlichen Banken engagieren sollen. Die Investoren sollen nicht stimmberechtigte Anteile mit einer festen Verzinsung zeichnen. Zugleich sollen sich die Geldhäuser verpflichten, ihre Anteile langfristig zu halten. dpa

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