Wirtschaft : Neue Angebote am Grauen Kapitalmarkt in Amerika

WASHINGTON (zz/HB). Am grauen Kapitalmarkt kommt alles einmal wieder - wie etwa in den Vereinigten Staaten zur Zeit die Schuldscheinangebote dubioser Emittenten. Die sogenannten "promissory notes" werden vor allem unbedarften und älteren Anlegern offeriert: Sie haben meist eine kurze Laufzeit von neun Monaten und bieten Jahreszinsen zwischen 12 und 18 Prozent. Das ist doch verlockend. In den Vertrieb sind meist Lebensversicherungsvertreter eingeschaltet, die mit hohen Provisionen angelockt werden.Zunächst verkaufen sie ihren Kunden eine Versicherung. Wenige Tage später rufen sie an: Sie hätten da ein hervorragendes Angebot. Ein renommiertes Unternehmen wolle investieren. Es nähme das Kapital aber nicht bei Banken auf, private Anleger sollten auch etwas davon haben. Wer nun gerade nicht flüssig sei, um die fabelhafte neue Offerte wahrzunehmen, der könne doch die eben abgeschlossene Lebensversicherung kündigen und das Geld in den Schuldscheinen investieren: Die würfen viel mehr ab.Damit verstoßen die Vertreter gleich mehrfach gegen gesetzliche Vorschriften der Vereingten Staaten. Sie informieren ihre Kunden - möglicherweise aus eigener Unkenntnis - nicht über den Emittenten der Schuldscheine.Es ist auch schon vorgekommen, daß "promissory notes" nicht existierender Gesellschaften verkauft wurden. Auch Schneeballsysteme wurden beobachtet: Die emittierenden Firmen zahlen mit dem Geld der neu gewonnenen Kunden die alten Verpflichtungen zurück.Versicherungsvertreter, die keine Lizenz als Wertpapierbroker besitzen, dürfen die Schuldscheine gar nicht vertreiben. Sie verstoßen also auch dabei gegen das Gesetz und die Auflagen der Behörden der USA. Die Wertpapier-Aufsichtsämter vieler US-Bundesstaaten warnen bereits vor den falschen "promissory notes". In 35 Staaten sind bereits Beschwerden über den Verkauf betrügerischer Schuldscheine eingegangen. Zwanzig Staaten haben bereits Maßnahmen zur Eindämmung der Betrügereien ergriffen. Der Erfolg der Ermittlungen ist allerdings noch mäßig und nur wenige Täter wurden gestellt. Denn meistens sind die Betrüger schon über den Berg, wenn die Opfer etwas merken und die Aufsichtsbehörden einschalten.

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