Neue Auto-Allianz : Piëch vor dem Ziel

Der Aufsichtsratschef von Volkswagen schmiedet einen neuen Fahrzeug-Konzern. Porsche will seinen VW-Anteil auf mehr als 50 Prozent aufstocken.

Henrik Mortsiefer
Piech
Verbündete. Porsche-Chef Wiedeking (r.) und VW-Aufsichtsratschef Piech. -Foto: Keystone

BerlinVW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch ist seinem Lebensziel am Montag ein großes Stück näher gekommen. Der Sportwagenbauer Porsche kündigte an, seine Beteiligung an VW von aktuell 30,9 auf mehr als 50 Prozent aufstocken zu wollen. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will dafür rund zehn Milliarden Euro ausgeben und hätte künftig als Mehrheitseigentümer das Sagen bei Europas größtem Autohersteller. Wenige Stunden zuvor hatte VW die Übernahme weiterer Stimmrechtsanteile des schwedischen Lkw-Herstellers Scania für 2,9 Milliarden Euro perfekt gemacht. Nach langen Verhandlungen ist nun die Fusion der Nutzfahrzeuggeschäfte von VW, Scania und MAN möglich (siehe Artikel unten).

Es käme so zusammen, was nach den Vorstellungen Piëchs zusammengehört: vom Kleinwagen über den Supersportwagen bis zum Schwerlaster könnten Volkswagen und Porsche den gesamten Fahrzeugmarkt bedienen. Der frühere VW- Chef und Porsche-Enkel Piëch plant diese Allianz seit langem. Den Familien Porsche und Piëch gehören zusammen 100 Prozent der Porsche-Stammaktien.

„Unser Ziel ist die Schaffung einer der innovativsten und leistungsstärksten Automobil-Allianzen der Welt, die dem verschärften internationalen Wettbewerb gerecht wird“, erklärte Porsche-Chef Wiedeking. Der Aufsichtsrat habe dafür bei einer außerordentlichen Sitzung am Montag grünes Licht gegeben, wie Porsche mitteilte. Das Unternehmen werde nun alle erforderlichen kartellrechtlichen Schritte einleiten. Die Prüfung könne einige Monate dauern. Danach werde Porsche die Aktienmehrheit an VW erwerben. Eine Fusion der beiden Unternehmen sei jedoch nicht geplant. Porsche kündigte außerdem an, dass sich Piëch aus dem vierköpfigen Präsidium des Aufsichtsrats zurückziehe. An seiner Stelle trete nun sein Bruder Hans Michel Piëch.

Sobald Porsche die Mehrheit an VW hat, soll der Wolfsburger Konzern ein Teilkonzern der Porsche Automobil Holding SE werden. Damit ziehen auch Vertreter der VW-Belegschaft in den Aufsichtsrat der Porsche Holding ein. Gemeinsam mit den Vertretern der Porsche AG werden sie die Arbeitnehmerseite im zwölfköpfigen Kontrollgremium der Holding bilden. Zeitgleich werden die von europäischen VW-Mitarbeitern zu wählenden Arbeitnehmervertreter in den SE- Betriebsrat aufgenommen. „Aufgrund der unterschiedlichen Beschäftigtenzahlen beider Teilkonzerne wird dann der SE-Betriebsrat von den Arbeitnehmervertretern der Volkswagen AG dominiert sein“, erklärte Porsche. In der Vergangenheit hatte es massive Auseinandersetzungen um die Stärke der VW-Arbeitnehmervertreter in dem Gremium gegeben. Der Vorstand will die Porsche-Belegschaft an diesem Dienstag über die Entscheidung und das weitere Vorgehen unterrichten. Mit der Entscheidung für die Mehrheitsübernahme werde der Weg dafür geebnet, dass Volkswagen und Porsche künftig „gemeinsam in einer fairen und kollegialen Partnerschaft ein neues Kapitel Automobilgeschichte schreiben können“, erklärte Porsche.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) kündigte eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem künftigen Mehrheitsaktionär an. Niedersachsen hält 20,4 Prozent an VW. „Bisher hat Porsche bei VW eine sehr positive aktive Rolle mit automobilem Sachverstand gespielt“, sagte Wulff in Hannover. Niedersachsen sei darauf eingerichtet, neben Porsche der zweitgrößte VW-Aktionär zu sein und darauf, „dass wir dann in Partnerschaft das Unternehmen voranbringen“.

Die Börse honorierte die Pläne zur Bildung der neuen Allianz. Die Aktien von VW (plus 1,6 Prozent), Porsche (plus 3,7 Prozent) und MAN (plus 4,8 Prozent) stiegen in einem schwachen Markt.

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