Wirtschaft : Neue Bahn-Tarife: Wenn Schnäppchen gar keine sind

Jörn Hasselmann

Die Bahn will bekanntgewordene Pläne nicht dementieren, dass es ab 2001 mit der Bahncard nur noch 25 Prozent Rabatt gibt. Bislang sind es 50 Prozent - was die Bahncard zu einem drei Millionen Mal verkauften Renner gemacht hat. Die angestrebte "Vereinfachung" des "Tarifsystems 2001" dürfte also für das Gros der Fahrgäste die Tickets verteuern. Auch am jüngsten Billigangebot, der Internetfahrkarte "Surf & Rail" haben Berliner immer weniger Freude. Hamburg, Hannover, München und zahlreiche andere Städte wurden stillschweigend aus dem Angebot gestrichen. Internetfahrkarten sind teilweise um mehr als 60 Prozent billiger. Dieser Vorteil entfällt jetzt bei vielen Verbindungen. "Surf & Rail" gilt bekanntlich als Vorläufer des Tarifsystems 2001: leere Züge billig, volle Züge teuer. Auch wenn die Planer gerne in allen Zügen die Reisenden steuern würden, um Überfüllungen zu beenden: Eine generelle Reservierungspflicht werde es nicht geben, sagt Bahnsprecherin Claudia Wachowitz. Der freie und spontane Einstieg in irgendeinen Zug sei doch gerade der Wettbewerbsvorteil der Bahn.

Ganz so ist es aber mit dem "spontanen Einstieg" nicht. In Expo-Sonderzüge darf man sich mit einer normalen Fahrkarte nicht setzen. Dennoch druckt die Bahn bei der elektronischen Fahrplanauskunft fröhlich Expo-Züge aus. Beispiel: Marburg ab 20.22, Berlin-Zoo an 0.57 Uhr mit Expo-Zug 1749. Wer den Hinweis "f" finden sollte und seine Bedeutung im Kleingedruckten recherchiert, lernt, dass man den Zug gar nicht benutzen darf. Aber das Tarifsystem soll ja einfacher werden.

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