Wirtschaft : Neue Bahnpreise sollen 100 Millionen bringen

Deutsche Bahn hofft auf mehr Kunden und Zusatzgeschäft

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Frankfurt (Main) (ro). Einen Tag nach der Einführung des neuen Tarifsystems zieht die Bahn selbst eine positive Bilanz. Nachdem auch der Berufsverkehr trotz des umfangreichsten Fahrplanwechsels in der Geschichte ohne Störungen verlief. seien die Weichen für die Zukunft gestellt, meinte Christoph Franz, im BahnVorstand für den Personenverkehr zuständig, am Montag in Frankfurt. Nur wegen Streiks der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gab es Probleme in einigen Regionen.

Die Bahn hat sich hohe Ziele gesetzt: Ab 2004 will sie Umsatz und Ergebnis durch das neue Preissystem um 100 Millionen Euro pro Jahr steigern. Zugleich soll die durchschnittliche Auslastung der Züge von derzeit 45 auf 60 Prozent erhöht und der Marktanteil der Bahn im Wettbewerb mit Straße und Luft von derzeit neun auf etwa 14 Prozent gesteigert werden. Allein auf der neuen ICE-Strecke zwischen Köln und Frankfurt will die Bahn die Zahl der Fahrgäste bis 2010 auf 24 Millionen verdoppeln. Wegen der weit ausstrahlenden Netzwirkung dieser ICE-Neubaustrecke hatte die Bahn ihr gesamtes Fernverkehrsnetz neu geknüpft. Zwischen Stralsund und Salzburg verkehre jetzt ein Netz aus17 ICE-Linien und 21 InterCity- und EuroCity-Linien, hieß es. Interregios gibt es bis auf zwei verbliebene Verbindungen in den neuen Bundesländern und Richtung Polen nicht mehr.

Mit der Pünktlichkeit der Züge gab es zumindest am Sonntag noch Probleme, wie Manfred Wagner, Leiter der Zentralen Transportleitung, einräumte. Am Morgen habe die Pünktlichkeitsquote bei rund 70 Prozent gelegen, im Tagesverlauf sei sie auf 80 Prozent gestiegen und am Abend wieder auf 73 Prozent abgesunken. Allerdings seien von den Fahrgästen im Fernverkehr 93 Prozent aller Anschlusszüge erreicht worden.

Nach Angaben von Franz hat die Bahn seit der Bahnreform vor acht Jahren schon erhebliche Erfolge erzielt, die mit dem neuen Preissystem ausgebaut werden sollen. Die Verkehrsleistung im Personenverkehr sei um 19 Prozent gestiegen, der Marktanteil von 6,3 auf neun Prozent geklettert, die Produktivität sogar um 155 Prozent in die Höhe geschossen. Vor allem aber nehme die Bahn keine konsumtiven Zuschüsse des Staates und des Steuerzahlers mehr in Anspruch. Vor acht Jahren seien es noch 3,26 Milliarden Euro gewesen.

Trotz der Kritik von Verbänden am neuen Preissystem schließt Franz vorerst Änderungen an der neuen Struktur aus. „Ich denke im Moment überhaupt nicht daran, irgendetwas zu ändern. „Wenn wir aber feststellen, dass einen Haken gibt, werden wir nachsteuern.“ Die Bahn sei im Übrigen ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen. „Wir haben keinen Gemeinwohl-Auftrag mehr. Wenn allerdings ein solcher Auftrag bezahlt wird, dann leisten wir ihn auch.“ Nach Angaben von Franz wird es auch künftig Sonderangebote geben. In welcher Form und in welchem Umfang, ließ er offen.

Seit Anfang November hat die Bahn rund 1,5 Millionen Reisen nach dem neuen Preissystem verkauft. Rund 60 Prozent der Kunden nahmen dabei Rabatte von bis zu 40 Prozent in Anspruch, 40 Prozent kauften Fahrkarten zum Normalpreis. Die neue Bahncard wurde rund 100 000 Mal abgesetzt. Dazu kauften sich rund 250 000 Besitzer einer alten Bahncard noch einmal eine neue „alte“ Bahncard, weil nur sie einen Rabatt von 50 Prozent auf den Normalpreis gewährt.

Nach Angaben von Bahn-Marketing-Vorstand Hans Koch gibt es selbst am Spitzentag der Bahn, am 21. Dezember, noch in 75 Prozent der Züge Fahrkarten zu den günstigen Plan & Spar-Tarifen. Die Bahn will im Übrigen bis Ende Dezember Kulanz zeigen, wenn Kunden nicht in dem von ihnen eigentlich gebuchten Zug sitzt und dieser Fehler auf Bahnmitarbeiter zurückzuführen ist.

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