Wirtschaft : Neue Bilanz-Regeln für Versicherer

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Das Bundesjustizministerium wird künftig die Bilanzierungsrichtlinien für Versicherer lockern und denen anderer Finanzdienstleister gleichstellen. Damit müssen die Versicherungsunternehmen bei kurzfristigen Kurseinbußen ihren Wertpapierbesitz nicht mehr sofort abschreiben, was den Überschuss und auch Gewinnbeteiligungen für den Versicherungskunden schmälert. Nur bei länger anhaltenden Kursverlusten seien die Unternehmen verpflichtet, entsprechende Abschreibungen vorzunehmen, teilte das Bundesjustizministerium am Montag mit.

"Die Versicherungsunternehmen und die Versicherungsnehmer sollten keine unbilligen Schäden aus den kurzfristigen Turbulenzen der vergangenen Wochen tragen müssen", sagte Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin. Der entsprechende Gesetzesentwurf zur Änderung des Handelsrechtes wird am Mittwoch im Kabinett verabschiedet und soll noch für das laufende Bilanzjahr gelten.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßte die Gesetzesänderung. Der Versicherte könnte so weiterhin mit einer von den kurzfristigen Marktschwankungen unabhängigen Überschussbeteiligung rechnen. In den vergangenen Wochen waren Versicherungen, die hohe Bestände an Aktien und Investmentfonds halten, durch die schlechte Lage an den Börsen unter Druck geraten. Denn nach dem bisher geltenden "strengen Niederstwertprinzip" waren sie nach dem Handelsgesetzbuch bisher dazu verpflichtet, Verluste in der Handelsbilanz auszuweisen, sollten die aktuellen Kurse unter den Buchwert zum letzen Bilanzstichtag fallen. Um hohe Abschreibungen zu vermeiden, hätten sie wegen vorübergehender Kursverluste mittelfristig ertragsstarke Wertpapiere unter Wert verkaufen müssen. Dazu seien sie jetzt nicht mehr gezwungen.

Der größte Lebensversicherer Deutschlands, die Allianz Leben in Stuttgart, begrüßt die Veränderung der Bilanzierungsrichtlinien für Versicherungen und die Gleichstellung mit Banken. An der für dieses Jahr geplanten Überschussbeteiligung von derzeit 7,5 Prozent werde sich dadurch aber nichts ändern, sagte Unternehmenssprecher Eckhardt Marten dem Tagesspiegel.

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