Wirtschaft : Neue Bilanztricks schocken nicht mehr

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Von Corinna Visser

Die amerikanische Wirtschaft hat einen neuen Bilanzskandal: Die US-Telekommunikationsfirma Qwest hat zugegeben, in den vergangenen Jahren 1,16 Milliarden Dollar falsch verbucht zu haben. Doch die Börse ließ das am Montag kalt. Sie reagierte nicht mit Kurseinbrüchen auf die Meldung, wie sie es noch beim Energiehändler Enron oder der Telefongesellschaft Worldcom getan hatte. Im Gegenteil: Der Dow Jones legte zu Handelsbeginn kräftig zu.

Immer wenn schlechte Meldungen aus den Unternnehmen keine negative Wirkung auf die Aktienkurse haben, dann sagen die Börsianer zur Erklärung, dass die schlechte Nachricht schon eingepreist sei. Das mag auch hier der Fall sein. Es klingt zynisch, aber offenbar haben sich die amerikanischen Anleger inzwischen daran gewöhnt, dass viele Telekommunikations- und High-tech-Unternehmen in den Boomjahren die Bilanzen künstlich aufblähten, um den enormen Wachtumserwartungen gerecht werden zu können. Bewahrheiten sich die Befürchtungen, ist also keine neue Erkenntnis gewonnen – es hat sich nur eine alte bestätigt. Das bewegt die Börse nicht. Luftbuchungen über 1,16 Milliarden Dollar bei Qwest sind dazu noch eine vergleichsweise geringe Summe.

Das fantastische Wachstum, das die USA in den vergangenen Jahren hingelegt haben, gab es das nur auf dem Papier? Sicher nicht. Aber ein Teil davon war erlogen. Der Schaden, den die Bilanzfälscher angerichtet haben, ist noch lange nicht ausgestanden. Zwar überraschen neue Entdeckungen die Anleger nicht mehr. Nur, ob sie zu den Bedingungen irgendwann wieder einsteigen an der Börse, glaubt niemand. Bevor es wieder bergauf gehen kann, müssen die Unternehmen alle Mauscheleien aufklären und dazu übergehen, nur noch zu veröffentlichen, was sie zuvor tatsächlich erwirtschaftet haben.

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